Bezirks- und Gemeindesuche
Ein "Faust" mit Tiefe und Humor
Alexander Sokurow suchte einen Hauptdarsteller - und fand Johannes Zeiler, der damit seine bisher wohl spannendste Aufgabe fand. "Faust" erhielt 2011 beim Festival in Venedig den Goldenen Löwen und läuft nun in den Kinos.

Foto © APAHerzhafter Humor und Tiefe von Johannes Zeiler haben dem russischen Regisseur Alexander Sokurow imponiert
Alexander Sokurow zog aus, um für seine filmische "Faust"-Deutung den idealen Darsteller für die Titelrolle zu suchen. Der russische Regiemeister testete gut 1000 Kandidaten in ganz Europa und wurde schließlich, weil er Schauspieler mit Theatererfahrung wollte, in Österreich fündig. Seine Wahl fiel auf den Steirer Johannes Zeiler, der damit seine bisher wohl spannendste Aufgabe fand. "Faust" erhielt 2011 beim Festival in Venedig den Goldenen Löwen und läuft nun in unseren Kinos.
In den meisten Biografien steht, dass der 41-Jährige aus Vorau stammt. "Das stimmt aber nicht", korrigiert Zeiler, "in Vorau war nur das Krankenhaus, in dem ich zur Welt kam. Aber ich war in Hartberg zu Hause, heute bin ich Wahl-Wiener."
Die Schauspielerei packte ihn, als er in Graz Germanistik und Geschichte studierte und während dieser Zeit mit dem "Theater im Bahnhof" in Berührung kam, das ein Projekt mit Studenten realisierte. "Ich empfand von Anfang an so viel Spaß und Lust daran, dass ich es ernsthaft probieren wollte. Die Aufnahmsprüfung im Max-Reinhardt-Seminar in Wien schaffte ich gleich beim ersten Mal". Karlheinz Hackl und Samy Molcho wurden dort seine ersten Lehrer.
Erste Höhepunkte
Sein Filmdebüt gab Zeiler 1996 in Robert Dornhelms "Unfisch", eine kleinere Rolle hatte er auch in Götz Spielmanns "Revanche", 2009 für den Auslands-Oscar nominiert. Zu seinen bisherigen schauspielerischen Höhepunkten zählt Zeiler Bühnenarbeiten wie "Petit Albert", ein Monolog von Jean-Marie Frin nach Jack London, den er in Kiel spielte, damit auf Tournee ging und 2001 mit seinem Team einen Preis beim Monodrama-Festival in Moldawien gewann. "Und im Wiener Schauspielhaus verkörperte ich jüngst Bruno Kreisky."
Zeilers erster Kontakt mit dem Thema Film war übrigens die VHS-Kamera zu Hause. "Gemeinsam mit Freunden verarschte ich dabei die TV-Werbung." Dass er später selbst im Fernsehen landen sollte, konnte er da noch nicht wissen. Die für ihn interessanteste TV-Arbeit bisher war "Der erste Tag", Andreas Prohaskas Drama über einen Super-GAU im tschechischen Kernkraftwerk Dukovany.
In Peter Steins Monumental-Produktion von "Faust" wirkte Zeiler im Prolog als Stimme des Herrn mit, dann auch als Seismos oder als Wanderer, der "Faust 2" eröffnet. Etwa ein schicksalhafter Fingerzeig zur jetzigen Hauptrolle in Sokurows Film? "Nachher weiß man zwar alles besser, aber ich bin der Überzeugung, dass Sokurow im genau richtigen Zeitpunkt auf mich zukam", sagt der Steirer. Warum der russische Regisseur gerade ihn gewählt habe, könne er nicht sagen: "Über Ecken habe ich aber erfahren, dass ihm offenbar meine Fähigkeiten zu unglaublich herzhaftem Humor und gleichermaßen zu Tiefe und Substanz imponierten."
Sokurow, der "Faust" als Gipfelpunkt seiner Film-Tetralogie mit Hitler, Lenin und Kaiser Hirohito sieht, spricht zwar kein Deutsch, dennoch schwärmt Zeiler von dessen Gespür für Sprache und Intuition: "Beim Durchsprechen der Casting-Szene hielt er zwischendurch meine Hand. Vielleicht, um zu spüren, welchen Menschen er vor sich hat."
Guter Schwung
Der Goldene Löwe für "Faust" im Vorjahr in Venedig hat natürlich auch dem Hauptdarsteller aus Österreich Schwung gebracht. "Die Angebote, die kommen, sind jedenfalls von anderer Qualität als früher", sagt Zeiler. Den deutschen Regisseur Detlev Buck zum Beispiel hat er aufgrund des "Faust" kennengelernt. Leider war er für die Hauptfiguren des Humboldt und des Gauß in dessen Verfilmung von Daniel Kehlmanns Bestseller "Die Vermessung der Welt" zu alt, aber Buck gab ihm dafür bei den Dreharbeiten in Klosterneuburg eine feine Rolle im Finale, in dem Zeiler einen Berliner Polizeichef spielt.
Motorradfreak
Für den ORF hat Zeiler bisher sechs von 13 Folgen der neuen Serie "Der Mediator" abgedreht: "Meine erste durchgehende Serienrolle. Ich bin der jüngere Bruder von Harald Krassnitzer, und zwischen den beiden kriselt es, weil der Ältere dem Jüngeren einmal die Frau ausgespannt hat." Laut Drehbuch ist er auch Motorradfreak. "Da hatte ich gegenüber Harald einen Vorteil: Ich hatte bereits den Führerschein, noch aus Hartberg. Er musste ihn erst machen."
Johannes Zeiler gibt also Gas. Fad wird ihm, derzeit am Schauspielhaus Wien engagiert, bestimmt nicht, und in die Zukunft blickt der Vater zweier Töchter dementsprechend entspannt: "Schau ma mal, was wird."
Features
Zur Person
Johannes Zeiler, geboren am 29. April 1970 in Vorau.
Studium Germanistik und Geschichte in Graz, danach Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien.
Erster Film: "Der Unfisch" von Robert Dornhelm 1996.
Zahlreiche Nebenrollen in TV-Krimis (Tatort, Sokos etc.)
Mitglied in Peter Steins "Faust"-Ensemble.
strong>Derzeit Engagement am Schauspielhaus Wien.









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