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Zuletzt aktualisiert: 19.09.2010 um 19:00 UhrKommentare

BZÖ: Das Prinzip Hoffnung und ein rastloser Geist

Der orange Spitzenkandidat Gerald Grosz wirbelt sich durch den Wahlkampf und glaubt unbeirrt an den Einzug seines BZÖ in den Landtag.

Gerald Grosz  am Wahlkampfstand

Foto © KanizajGerald Grosz am Wahlkampfstand

Gerald Grosz kommt pünktlich um 10 Uhr ins Einkaufszentrum in Kapfenberg. Sein Kommen ist im ganzen Bezirk angekündigt, und doch ist der BZÖ-Spitzenkandidat fast allein. Unerschrocken ergreift er das Mikrofon, schmettert seine Parolen in die Leere. Nach und nach tröpfeln sie dann ein, seine Hörer. "Ich kenn' das schon", sagt Grosz später. "Die Leute gehen lieber in die Cafes rundherum, aber von dort hören sie aufmerksam zu."

Die Ausgangssituation

Kurz nach der Spaltung der Freiheitlichen in FPÖ und BZÖ fanden die steirischen Landtagswahlen statt und keine der beiden Parteien schaffte es 2005 in den Landtag. Das BZÖ war mit 1,7 Prozent weit abgeschlagen. Die Grazer Gemeinderatswahlen im Jahr 2008 mit 4,3 Prozent und zwei Mandaten sowie ein respektables Ergebnis bei der Nationalratswahl 2008 nährten die Hoffnung, dass es diesmal wieder klappen könnte.

Zwei, die Kaffee trinken und lauschen, sind von der Autobahnpolizei, haben heute frei. Sie kennen Grosz, und sie schätzen ihn auch. Die orangen Kulis nehmen sie gern.

Grosz ist im normalen Leben schon umtriebig genug. Im Wahlkampf hält es ihn kaum eine Minute an einem Ort. Dass er mit den Polizisten einen Kaffee trinkt, ist eine seltene Ausnahme. Normalerweise kommt er über die Feuerzeuge mit den Leuten ins Gespräch. "Grosz heizt ein", lautet der Slogan. Aber es tut auch ein "zum Kerzerl anzünden", wenn passenderweise eine Ordensschwester vorbei kommt. Ein charmantes Scherzchen, ein Präsent und flugs eilt der aufgezwirbelte Wahlkämpfer weiter.

Grosz fällt auf

Viele kommen direkt auf ihn zu. Im Gegensatz zu früher, als er den Jüngling an der Seite des großen Jörg Haider gab, kennen ihn die Leute inzwischen auch selbst. "Sie sind der Einzige, den man ständig trifft", sagt eine Passantin. In Graz kommt der Ex-VP-Funktionär Peterheinz Gebell auf ihn zu und sagt: "Ihnen fällt immer was ein, das gefällt mir." Das Büchlein "Jörg Haider und die Steiermark" ist für die, die immer noch dem Jörg nachtrauern.

Das BZÖ hat nur Außenseiterchancen, in den Landtag einzuziehen, und doch glaubt Gerald Grosz daran: "Ich habe schon oft erlebt, wie die Umfragen am Wahltag Lügen gestraft wurden."

Manchmal verliert er an langen Wahlkampftagen den Überblick. "Liebe Knittelfelderinnen und Knittelfelder", beginnt er in Kapfenberg. Peinlich, aber nicht peinlich genug, um ihn zu irritieren. Grosz turnt sich auch über so etwas leichtfüßig hinweg.

Seine Botschaft klingt ähnlich wie die der Grünen: "Es geht nicht um das BZÖ und nicht um Gerald Grosz, sondern darum, im Land etwas zu verändern." Sein Weg ist ein anderer: Er will nicht in die Regierung, sondern "wir sind die einzige echte Opposition". Sind dem ehemals willigen Fuchs an der Seite der ÖVP die Trauben sauer geworden?

Gute und Schlechte

Irgendwann kommt das Thema immer auf die Zuwanderer, und spätestens hier sind ihm Applaus für seine Reden und Zuspruch auf der Straße sicher. Wichtig ist ihm die Differenzierung gegenüber der blauen Konkurrenz, der FPÖ: "Wir sind hart in der Sache, aber fair im Ton. Wir brauchen keine dummen Spiele im Internet, und auch Gewalt ist ein schlechter Ratgeber." Letzteres bezieht er auf den Anschlag im Asylheim in Graz. Die guten und die schlechten Ausländer will er voneinander trennen. "Die Guten, wie die Griechen in Graz oder der Teppichhändler Rohani stehen hinter uns."

In Kapfenberg wird jetzt endlich geklatscht. Ein dunkelhäutiger Asylwerber steht an der Wand und hört stumm zu.

CLAUDIA GIGLER

Fakten

Gerald Grosz, geb. am 15. 2. 1977

Beruf: kaufmännische Lehre

Werdegang: ab 2000 Pressesprecher von Sozialminister Herbert Haupt, FP-Gemeinderat in Deutschlandsberg, seit 2005 BZÖ-Landeschef, seit 2008 Gemeinderat in Graz und NAbg.

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