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Zuletzt aktualisiert: 14.09.2010 um 14:17 UhrKommentare

Steirische Machtverhältnisse seit 1945

Das Jahr 2005 bedeutet eine Zäsur in der politischen Geschichte der Steiermark: Erstmals seit 1945 stellte die SPÖ den Landeshauptmann, waren 60 Jahre ÖVP-Dominanz beendet.

Die Machtverhältnisse in der Grazer Burg seit 1995

Foto © APADie Machtverhältnisse in der Grazer Burg seit 1995

Aus der Grünen Mark sind einige bemerkenswerte Geschehnisse in Bezug auf Landesregierungen zu vermerken: So war Waltraud Klasnic (V) 1996 die erste Landeschefin Österreichs. Die Politik wurde sowohl aufseiten von ÖVP und SPÖ von Vater und Sohn geprägt: Josef Krainer sen. und jun. waren jahrzehntelang Landeshauptleute, Vater und Sohn Schachner-Blazizek, Alfred und Peter, stellten die LH-Stellvertreter.

Die erste Landesregierung nach dem Krieg bekam die Steiermark aus einer Eigeninitiative: Mit dem Sieg der Alliierten - die allerdings noch nicht in Graz einmarschiert waren - und der Flucht der Nazi-Funktionäre waren einige Tage Machtvakuum entstanden, in dem frühere sozialdemokratische und Christlichsoziale Politiker eine provisorische Landesregierung bildeten, die von 20. Mai bis 28. Dezember 1945 im Amt war. Bemerkenswert: Der Landeshauptmann Reinhard Machold sollte bis zum Oktober 2005 der einzige "Rote" an der Landesspitze bleiben, auch war dies die einzige Zeit, in der mit Ditto Pölzl ein KPÖ-Mann in der vorerst siebenköpfigen Regierung war. Im Juli und August wurde die Regierung noch um zwei Köpfe aufgestockt, darunter der nachmalige ÖVP-LH Anton Pirchegger.

60 Jahre ÖVP

Vom Dezember 1945 bis zum 12. November 1949 amtierte nach den ersten freien Wahlen eine ÖVP-geführte Landesregierung, die Rollen waren nun praktisch auf Jahrzehnte verteilt. Die ÖVP stellte den Chef, die SPÖ zumindest den 1. LHStv. und den Finanzlandesrat. Nachdem LH Pirchegger am 6. Juli 1948 wegen einer Herzkrankheit zurücktrat, waren auch die Weichen für Josef Krainer sen. gestellt, der die Grüne Mark dann bis 1971 führen sollte. Die Regierung Krainer II war von 12. November 1949 bis 15. April 1953 im Amt, in diese Zeit fiel auch die erste steirische Landesrätin, Maria Matzner von der SPÖ, die in vier Legislaturperioden diente.

Von April 1953 bis 9. April 1957 kristallisierte sich mit Josef Krainer und Alfred Schachner-Blazizek ein ÖVP-SPÖ-Gespann heraus, deren Söhne ebenfalls noch bedeutende Rolle in der politischen Steiermark zu spielen hatten. Waren vorerst noch Fritz Matzner und Norbert Horvatek die tonangebenden Partner gewesen, so folgte letzterem im Jänner 1954 Schachner in die Landesregierung. In der Regierung Krainer III von 9. April 1957 bis 11. April 1961 war wiederum Horvatek SPÖ-Stellvertreter von Krainer, wurde aber dann Mitte Juni 1960 endgültig von Matzner beerbt. In dieser Gesetzgebungsperiode gab es eine Art Generationswechsel: Mit dem kunstsinnigen Universitätsprofessor Hanns Koren (V) und dem volksverbundenen Adalbert Sebastian (S) traten zwei neue Landesräte und spätere Vize-Landeschefs auf, Koren sollte sich später mit der Gründung des "steirischen herbst" um den kulturellen Sprung der Steiermark ins 20. Jahrhundert verdient machen.

Im Kabinett Krainer IV von 11. April 1961 bis 7. April 1965 war Alfred Schachner-Blazizek (ab 2. Jänner 1964) bereits LHStv., ebenso wie vom 7. April 1965 bis 6. April 1970. Durch den plötzlichen Tod von Josef Krainer am 28. November 1971 kam auf dessen Wunsch Landesrat Friedrich Niederl an die Spitze, diese Funktion behielt er auch in der folgenden Regierungsperiode von 12. November 1974 bis 15. November 1978, und nach der Wahl 1978 mit seinem LHStv. Sebastian (S) bis zum großen Umbau der Landesregierung im Sommer 1980: Damals beerbte Josef Krainer jun. Niederl, Hans Gross folgte auf Sebastian als LHStv., auch drei Landesräte wurden ausgewechselt.

Die Regierung Josef Krainer jun. I vom 21. Oktober 1981 bis 18. Oktober 1986 umfasste Kräfte, die Land und Republik später maßgeblich gestalten sollten: Dazu gehörten auf ÖVP-Seite Kurt Jungwirth und der spätere Vizekanzler Josef Riegler. In der Regierung Krainer jun. II vom Oktober 1986 bis Oktober 1991 folgte auf SPÖ-LHStv. Hans Gross im April 1990 Peter Schachner-Blazizek, ab 21. Juni 1988 war Waltraud Klasnic (V), die spätere erste Landeshauptfrau Österreichs, in der Grazer Burg.

In der Regierung Krainer jun. III von Oktober 1991 bis Jänner 1996 gab es mehrere bemerkenswerte Neuerungen: 1991 schaffte die FPÖ den Regierungseinzug, mit Michael Schmied, dem nachmaligen Kurzzeit-FPÖ-Infrastrukturminister. Klasnic war damals bereits LHStv., sie folgte dem zurückgetretenen Josef Krainer - der bei der Wahl 1995 eine schwere Niederlage eingefahren hatte - und führte die steirische Volkspartei mit Landesräten wie Gerhard Hirschmann und Herbert Paierl noch einmal zu lichten Höhen: Mitte Oktober 2000 kassierte die SPÖ bei der Landtagswahl eine schwere Niederlage. In der neuen Regierung Klasnic II saß Leopold Schöggl (F) - er war auf Schmid-Nachfolgerin Magda Bleckmann-Jost gefolgt - als zweiter LHStv. eigentlich auf einem Ticket der ÖVP. Mit dem Abgang von Schachner-Blazizek zugunsten des Quereinsteigers Franz Voves (S) und dem Streit zwischen Hirschmann und Paierl sank der Stern der steirischen Volkspartei: Bei der Wahl am 2. Oktober 2005 verlor die ÖVP erstmals seit 1945 die Mehrheit, die FPÖ flog aus Landtag und Regierung. Voves wurde am 12. März als erster gewählter SPÖ-LH der Steiermark angelobt.


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