Das Glück des Tüchtigen

Foto © APAFritz Strobl
In exakt einem Jahr wird in Schladming die Schi-WM eröffnet und der "halbe" Schladminger Klaus Kröll hat das gleich einmal zum Anlass genommen, den so heiß ersehnten Abfahrtssieg einzufahren. In Kitzbühel hab' ich zuletzt länger mit ihm gesprochen - er wirkte nicht unzufrieden, schließlich war er ja in jeder Abfahrt dieser Saison unter den Top zehn und drei Mal Dritter. Aber die "Böcke", die er immer wieder geschossen hat, haben genervt. Er hat jedoch weiter an sich gearbeitet und an seinen Stärken festgehalten - und hat jetzt das Glück des Tüchtigen. Im unteren Teil ist er sensationell gefahren. Er hat seine Masse richtig eingesetzt und seinem Namen "Bulle von Öblarn" alle Ehre erwiesen. Er hat enorme Gleitfähigkeiten und viel Gefühl. Er hat die Zielkurve mit Entschlossenheit genommen und unter dem Strich den Sieg trotz Fehlern geholt.
Auch wenn man im Nach- hinein immer gescheiter ist, hat sich ein Abfahrtssieg für Österreich abgezeichnet. Es war nur eine Frage der Zeit. Wer immer knapp dran ist, hat natürlich auch das Zeug zum Siegen. Wobei es in Chamonix schon oft enge Rennen gegeben hat. Die Strecke ist vom Schwierigkeitsgrad her zwar relativ einfach, umso schwieriger ist es jedoch, hier zu gewinnen. Das Material muss top sein und man benötigt auch Glück, um die Nase vorne zu haben. Die Grundvorrausetzung ist aber: Gas geben und den Sieg wollen.
Wenn es jetzt heißt, dass dieser Erfolg eine Art Befreiungsschlag für das ganze Abfahrtsteam war, so ist das aus Sicht des Sportlers nur bedingt richtig. Man möchte natürlich in jedem Rennen eine gute Leistung bringen und sein Potenzial ausschöpfen. Es ist nicht Aufgabe eines Rennläufers, sich an Spekulationen zu beteiligen, warum dies oder jenes nicht so klappt. Das machen Medien oder auch die Trainer. Für den Rennläufer ist einzig und allein wichtig, konsequent an seinen Stärken zu arbeiten - und wenn es sein will, dann passt es auch. Siege kann man nicht erzwingen. Klaus Kröll hat das in dieser Saison vielleicht versucht - jetzt ist es einfach passiert.
Fritz Strobl (39) war 2002 Olympiasieger in der Abfahrt und gewann im Schi-Weltcup sieben Abfahrten und zwei Super-G.
















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