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Zuletzt aktualisiert: 01.02.2012 um 11:20 UhrKommentare

Syriens Militär von religiösen und ethnischen Minderheiten dominiert

Drusen und Alawiten spielten bei Umstürzen entscheidende Rolle.

Foto © AP

Die syrische Armee, bisher eine tragende Säule des Regimes von Präsident Bashar al-Assad, rekrutiert sich seit jeher zu einem erheblichen Teil aus Angehörigen religiöser und ethnischer Minderheiten. Schon in den Jahren der Mandatszeit nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Franzosen bei der Aufstellung ihrer "Troupes spéciales du Levant" den Drusen, Alawiten, Christen und Tscherkessen eine Vorzugsbehandlung angedeihen lassen. Dies erweckte das Misstrauen der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung.

Der aus Rumänien stammende US-Militärhistoriker und Politologe Edward Luttwak hat in seinem Klassiker "Coup d'État - A Practical Handbook" u.a. sämtliche Machtwechsel in Syrien von der Unabhängigkeit bis zum Putsch von Assads Vater Hafez al-Assad 1970 untersucht und dabei die entscheidende Rolle der Minderheiten beleuchtet. Bereits beim vorletzten Umsturz 1966 waren hinter der Fassade der säkularen Baath-Ideologie alawitische Kräfte am Werk gewesen. An den früheren Militärcoups waren dagegen vornehmlich drusische Offiziere beteiligt.

Ende März 1949 putschte der von den USA unterstützte Generalstabschef, der kurdische Oberst Hosni Zaim, gegen die Regierung des Präsidenten Shukri al-Kuwatli (Quwatli), eines arabischen Nationalisten, der sich mit einem mächtigen Drusenstamm angelegt hatte. Zaims Staatsstreich gilt als erster Armeeputsch in der arabischen Welt und leitete eine Periode der Militärdiktaturen ein.

Im August 1949 stürzte eine Offiziersgruppe unter Oberst Sami al-Hinnawi mit Unterstützung drusisch geführter Panzereinheiten das Regime von Zaim, der ohne Prozess hingerichtet wurde. Versuche, das Land mit dem benachbarten Irak unter der Haschemiten-Dynastie zu vereinigen, führten im Dezember 1949 zu einem weiteren von drusischen Militärs bewerkstelligten Putsch, der Oberst Adib al-Shishakli an die Macht brachte. Der Kurde, in dem die USA zunächst den geeignetsten Sachwalter ihrer Interessen in der Region sahen, ließ alle Parteien verbieten und das Standrecht verhängen, er verfolgte gleichermaßen Kommunisten und Muslimbrüder und zwang die Baath-Gründer Michel Aflak (Aflaq) und Salah Bitar ins Exil.

Shishaklis Willkürmaßnahmen verursachten Militärrebellionen und Bauernaufstände auch in Drusengebieten. Im Februar 1954 wurde der Diktator von einem heterogenen Bündnis unter maßgeblicher Beteiligung von drusischen Offizieren und Baath-Anhängern mit irakischer Unterstützung entmachtet. Er flüchtete nach Brasilien, wo er 1964 von einem kurdischen Landsmann ermordet wurde. Ex-Präsident Kuwatli kehrte aus dem ägyptischen Exil zurück und wurde nach Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung wieder zum Staatsoberhaupt gewählt. Die Suez-Krise 1956 und eine drusische Verschwörung in den Reihen der Armee beschleunigten die 1958 vollzogene Fusion mit Ägypten zur "Vereinigten Arabischen Republik" (VAR), die als Einheitsstaat unter Gamal Abdel Nasser nur bis 1961 Bestand haben sollte.

Nach weiteren Militäraufständen übernahm im März 1963 die panarabische nationalistische Baath-Partei die Macht, Amin al-Hafez wurde syrischer Präsident. Durch den Staatsstreich der Links-Baathisten unter Salah Jedid im Februar 1966 kamen die Alawiten mit ihrer Klientel zum Zug, der neue Staatspräsident Nureddin al-Atassi diente ihnen als sunnitisches Aushängeschild. Der alawitische Luftwaffenchef General Hafez al-Assad wurde Verteidigungsminister des neuen Regimes, das ein Bündnis mit der Sowjetunion schloss. Mit einem unblutigen Coup, den er "Korrekturbewegung" nannte, entledigte sich Assad 1970 der radikalen Baath-Ideologen, die das Land außenpolitisch isoliert und in schwere Konflikte mit Jordanien, dem Irak und Ägypten manövriert hatten.

Mit dem im Juni 2000 verstorbenen Assad, den der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger einst als weitaus intelligentesten Politiker im Nahen Osten und "arabischen Bismarck" bezeichnet hatte, festigte sich das Regime, das seine Gegner mit äußerster Konsequenz aus dem Weg räumte.


Stichwort: Syrien

Nach über vierzigjähriger Herrschaft ist die autokratischen Herrschaft der Assad-Familie in Syrien ins Wanken geraten.

Grafik: Das Herrschaftssystem/APA
 

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