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Zuletzt aktualisiert: 08.11.2011 um 22:48 UhrKommentare

Israel will strenge Iran-Sanktionen

Die Atombehörde IAEA hat die Befürchtungen Israels bestätigt. Nun folgt Säbelrasseln.

Israels Außenminister Avigdor Lieberman

Foto © APAIsraels Außenminister Avigdor Lieberman

"Iran wurde die Maske vom Gesicht gerissen", sagte ein israelischer Fernsehkommentator. Kurz zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) in ihrem neuesten Bericht am Dienstag festgestellt, dass der Iran an der Entwicklung von Atombomben gearbeitet hat. Kaum jemand in Israel hatte daran Zweifel. Große Zweifel aber haben viele Israelis auch weiterhin, dass die internationale Gemeinschaft genug unternimmt, die Führung in Teheran von ihrem Treiben abzubringen. Die schlimmsten Befürchtungen sind nun aber sozusagen amtlich bestätigt.

"Tödliche Sanktionen" forderte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak nur Stunden, bevor die IAEA ihren Bericht vorlegte. Er meine damit, dass die Verbindungen zur iranischen Zentralbank abgebrochen sowie die Ein- und Ausfuhr von Erdöl unterbunden werden sollte. In die gleiche Kerbe hieb der israelische Abrüstungs- und Waffenkontrollexperte Ephraim Asculai: "Zum Beispiel müsste es ein Embargo, eine Blockade (des Irans) geben, die das Leben für das Regime, aber auch für das iranische Volk wirklich spürbar härter macht", sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Ebenso wie Barak und große Teile der israelischen Gesellschaft glaubt Asculai jedoch nicht, dass es dazu kommen wird. "Der Westen besteht darauf, ein Votum (für Sanktionen) des UN-Sicherheitsrates zu bekommen. Russland und China aber sind entschlossen, scharfe Sanktionen zu verhindern", gab er zu bedenken. Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu reagierte zunächst nicht auf den Bericht. Sprecher Mark Regev meinte, es werde keine "automatische Reaktion" geben, der Bericht müsse erst studiert werden.

Allerdings hat Israel schon zuvor recht deutlich gemacht, wie es wohl reagieren werde. Die ungewöhnlich offene Debatte der vergangenen Tage in Israel über einen israelischen Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen haben den Druck auf den Westen, aber auch auf Russland und China, extrem erhöht, Iran nicht länger gewähren zu lassen.

Die Sorge, dass das kleine, aber streitbare Israel mit einem militärischen Alleingang gegen den Iran vollendete Tatsachen schafft und die ganze Region in Brand gerät, ist nicht völlig von der Hand zu weisen. Vor allem, da die IAEA jetzt bestätigt hat, dass der Iran zumindest bis vor kurzem eine Atombombe entwickelt hat. Die israelische, linksliberale Zeitung "Haaretz" titelte am Abend in ihrer Onlineausgabe: "Der Iran arbeitete seit 2003 ununterbrochen daran, eine Atombombe zu bauen." Und wird das wohl auch weiterhin tun, daran lässt die Zeitung kaum Zweifel.

Ungewöhnlich viele, aber nicht unabhängig zu überprüfende Details des Berichts waren bereits in den vergangenen Tagen durchgesickert. Der IAEA-Bericht werde mehr Detailinformationen über ein mögliches iranischen Atomwaffenprogramm enthalten, hieß es etwa. So sollen die iranischen Forscher schon ein Computermodell eines Atomsprengkopfes entworfen haben. Auch mit hochexplosivem Sprengstoff, den man für die Auslösung einer nuklearen Kettenreaktion benötigt, werde experimentiert.

Daumenschrauben für den Iran

Israel hofft nun darauf, dass dem Iran die Daumenschrauben angelegt werden. Wenn nicht, rückt die militärische Variante immer näher. Präsident Shimon Peres hatte am Wochenende schon gesagt, man sei einer militärischen Lösung näher als einer diplomatischen. Barak betonte zwar, Israel wolle keinen Krieg. Wenn es aber dazu kommen sollte, sei der Preis nicht so hoch, wie manche befürchteten.

"Angenommen, es käme zum Krieg - was wir nicht wollen - dann wird es keine tausend Toten geben und der Staat Israel wird nicht zerstört werden", sagte Barak. "Wenn alle Menschen zu Hause bleiben, auch keine 500." Die Existenz Israels sei durch Raketen aus dem Iran oder der libanesischen Hisbollah-Miliz nicht gefährdet. "Israel ist der stärkste Staat im Nahen Osten." Und das werde auch so bleiben.

Quelle: APA

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