Medienscheuer Grasser neun Stunden einvernommen
Bei der gestrigen Einvernahme wurde der ehemalige Finanzminister zur Buwog-Privatisierung und zur Hypo-Beteiligung befragt, nicht zu Novomatic. Nächster Termin einer Einvernahme ist am Mittwoch, Ort und Zeit "geheim". Grasser ging den Medien nach der Einvernahme aus dem Weg, laut Anwalt war er "zu erschöpft".

Foto © APGrassers Anwalt Manfred Ainedter
Achteinhalb Stunden. Von neun Uhr früh bis halb sechs am Abend nahmen zwei Staatsanwälte und acht Buwog-Sonderermittler den unter Untreue-Verdacht stehenden Karl-Heinz Grasser in die Mangel - ohne Mittagspause.
"Mandant ist zu geschlaucht"
Damit schien der frühere Finanzminister nicht gerechnet zu haben. Noch am Sonntag hatte er verlautet, dass er sich auf die Einvernahme nachgerade freue. Im Anschluss wollte er bei einem Pressegespräch alle Vorwürfe entkräften. Dieses Versprechen ist er der Öffentlichkeit schuldig geblieben. Grasser verließ das Amtsgebäude über eine Hintertür, nur sein Rechtsanwalt Manfred Ainedter gab eine kurze Stellungnahme ab: "Mein Mandant ist zu geschlaucht."
Grassers Einvernahme war in letzter Sekunde vom "Grauen Haus" des Wiener Straflandesgerichts in das Bundeskriminalamt verlegt worden. Unter der Hand wurde zugegeben, dass man dadurch den prominenten Verdächtigen am Weg zur Einvernahme von den Medien abschirmen wollte.
Wenig später versammelte sich dennoch ein Pulk von Journalisten und Fotografen vor dem schon leicht verwitterten Amtsgebäude. "Was ist denn hier los?", fragte ein Student der nahe gelegenen Wirtschaftsuniversität verdutzt. Die Antwort kommentierte er mit unverhohlener Genugtuung: "Gut so, endlich."
Gegen Mittag wurde bekannt, dass in den letzten Tagen zwei weitere ehemalige FPÖ-Minister einvernommen wurden: Michael Schmid und Monika Forstinger. Deren damaliger Kabinettschef hatte der Staatsanwaltschaft von einem blauen "Masterplan" berichtet. Demnach hätten Grasser und der verstorbene Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider bereits kurz nach Bildung der ersten ÖVP-FPÖ-Koalition im Jahr 2000 den Plan geschmiedet, bei den anstehenden Privatisierungen mitzuschneiden. Wie überall gilt auch hier die Unschuldsvermutung.
Haft "fast ausgeschlossen"
Ob diese Anschuldigung bei der Einvernahme zur Sprache kam? Das bestätigte Ainedter nicht. Die Fragen hätten sich um den Verkauf der Buwog in den Jahren 2002 bis 2004 gedreht. Grasser wird vorgeworfen, bei der Auswahl der begleitenden Investmentbank getrickst zu haben. Seine Freunde Walter Meischberger und Peter Hochegger kassierten zudem vom späteren Buwog-Käufer Immofinanz rund zehn Millionen Euro. Das Geld wurde nie versteuert. Der Verdacht steht im Raum, dass sie es für Insider-Infos bekamen.
Damit habe sein Mandant nichts zu tun, wird Ainedter nicht müde zu beteuern. Ob er damit rechne, dass Grasser in Untersuchungshaft genommen wird? "Das ist fast ausgeschlossen." Ob er seinen Pass abgeben musste? "Nein, natürlich nicht."
Fest stand freilich am Ende des Tages: Die Sache ist für Grasser noch lange nicht ausgestanden. Mittwochnachmittag wird er erneut einvernommen. "Dann wird sich zeigen, ob noch ein weiterer Termin notwendig ist", sagt ein Behördensprecher.
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