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Zuletzt aktualisiert: 10.01.2012 um 08:44 UhrKommentare

"Geox macht jetzt auch High Heels"

Moretti Polegato, Begründer und Chef des italienischen Schuh-Produzenten Geox, über Euro-Krise, die Pläne mit Stiefelkönig und Diadora sowie Forschungsansiedlung in Kärnten.

"Schuhe brauchen Design und Technik." Der Geox-Chef denkt an eine Forschungsstätte in Kärnten

Foto © KK/Geox"Schuhe brauchen Design und Technik." Der Geox-Chef denkt an eine Forschungsstätte in Kärnten

Wie besorgt sind Sie um Ihr von der Schuldenkrise gebeuteltes Heimatland Italien?

MORETTI POLEGATO: Die Krise ist global und keiner kann sagen, wie sie ausgeht. Die Globalisierung ging zu schnell und ohne Regeln - heute zahlen wir den Preis. Italien leidet mehr als andere Länder, weil unsere Politiker eine extreme Bürokratie zuließen, sodass das Land fast gelähmt ist.

Ist Italiens Taumeln angesichts der Wirtschaftskraft nicht absurd?

POLEGATO: In Italien haben wir Kreativität, herrliches Klima, gute Küche, die Mode, die wichtigsten Museen der Welt, die Freundlichkeit und dynamische Unternehmen, die weltweit geschätzte Bekleidung, Schuhe und Technologie erzeugen. Aber das Business leidet enorm unter der Bürokratie.

Sie glauben, dass Mario Monti das reparieren kann?

POLEGATO: Ich kenne Monti seit Jahren. Ich bin, wie er bisher, Lehrender und Aufsichtsrat an der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi. Er ist derzeit die einzige Person in Italien, die unsere Probleme lösen kann. Er ist ausgewogen und ernsthaft, ein weltweit anerkannter Wirtschaftsexperte. Und er ist kein Politiker.

Auch Geox spürt die Krise. In der ersten Hälfte 2011 sank der Gewinn des Konzerns von 36 auf 27 Millionen Euro um ein Drittel.

POLEGATO: Geox war die letzten Jahre ein Phänomen bei den Ergebnissen. Wir spüren die Krise auch, aber wir wirtschaften solide und haben immer 80 Millionen cash. Natürlich hat sich der Ertrag vermindert, aber er ist immer noch hoch. Sobald sich die Märkte erholen, wollen wir wieder zweistellig wachsen. Wir haben neue Technologien und Strategien und sind mit über 1100 Geschäften in den Modestraßen der wichtigsten Städte der Welt.

Monti will die Steueramnestie Berlusconis zurückdrehen. Ändert das ihre Standortpolitik auch in Richtung Österreich, wo sie 2011 Stiefelkönig übernommen haben?

POLEGATO: Italien hat verstanden, dass man ehrliche Schritte setzen muss für eine gerechte Politik. Wir sind ein globales Unternehmen in 105 Ländern und produzieren in 26 Ländern. Wir sind weltoffen. In Österreich, wo wir der Bawag die Stiefelkönig-Kette abgekauft haben, läuft es positiv, wir sind zufrieden.

Wollen Sie in Österreich auch in Produktion investieren?

POLEGATO: Österreich ist eher für eine Entwicklungsstätte interessant. Ich bin mit dem Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler und seinen Beamten in Gesprächen. Ich habe 71 Prozent am Unternehmen, aber das entscheidet der Aufsichtsrat auf Basis einer Studie unserer Experten. Für mein Herz würde ich jetzt schon unterschreiben. Kärnten ist ein Land, das von Gott geküsst wurde.

Was sind Ihre neuesten Entwicklungen?

POLEGATO: Sie können für die Damen schreiben: Geox macht jetzt auch High Heels. Der italienische Schuh wird wegen des Designs geliebt, es müssen aber Design und Technik vereint sein. Genau das macht Geox. Unsere Schuhe, die dafür sorgen, dass Schweiß austritt ohne dass Wasser eintritt, geben jedem ein neues Lebensgefühl.

Sie haben auch den Sportschuh-erzeuger Diadora übernommen.

POLEGATO: Mit Diadora-Schuhen haben wir heuer mit Cadel Evans die Tour de France gewonnen. Im Fußball sind wir eine Größe, auch wenn unser Star Antonio Cassano leider verletzt ist. Wir wollen Diadora dorthin bringen, wo er mit Roberto Baggio, Björn Borg und Ayrton Senna war.

Für Sebastian Vettel und Marc Webber machte Geox Formel-I-Schuhe, jetzt folgen Rennanzüge?

POLEGATO: Ja, der atmende Anzug. Wir haben den Vertrag mit Red Bull für zwei Jahre erneuert. Als Vettel das erste Rennen in Australien gewann, hat er mich angerufen und sich bedankt: "Presidente, mit Ihren Schuhen bin ich ganz anders gefahren."

ADOLF WINKLER

Zur Person

Moretti Polegato, passionierter Prosecco-Produzent im Veneto, nervte vor 20 Jahren die Hitze in Nevada. So erfand er den Schuh, der Schweiß austreten, aber kein Wasser eintreten lässt - den Geox-Schuh.

Geox mit Sitz in Montebbeluna bei Treviso hat heute 30.000 Mitarbeiter und ist mit 1100 Geschäften in über 100 Staaten präsent. Produziert wird in China, Brasilien, Vietnam und weiteren 23 Ländern. 2010 setzte Geox 850 Millionen Euro um und machte 58 Millionen Euro Gewinn. Polegato hält 71 Prozent am börsenotierten Konzern.

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