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Zuletzt aktualisiert: 05.12.2011 um 05:00 UhrKommentare

"Mode muss mich ins beste Licht rücken"

Im Gespräch mit Lena Hoschek: Wovon sich die Designerin inspirieren lässt, warum sie sich manchmal über das Prädikat "trachtig" ärgert und die Idee, vielleicht auch einmal eine Kollektion für Modegigant H&M zu schneidern.

 Lena Hoschek sorgt mit ihren Kollektionen für Furore auf den internationalen Laufstegen

Foto © Erwin Scheriau Lena Hoschek sorgt mit ihren Kollektionen für Furore auf den internationalen Laufstegen

Das Bild der Frau ändert sich in der Geschichte ja fortwährend - feminin, maskulin, androgyn. Warum haben Sie sich explizit für den Stil der 50er Jahre entschieden?

LENA HOSCHEK: Ich war immer schon Nostalgikern. Ich liebe auch historische Kostüme, nur die kann man natürlich nicht auf täglicher Basis verkaufen. Und was mir so gefällt, diese extreme Betonung der weiblichen Taille und die ausgestellten Röcke etc., das findet sich halt am tragbarsten in den 50er Jahren. Deswegen gibt's da in meiner Kollektion einfach viele Parallelen. Aber ich mag auch die 40er und 60er Jahre sehr gerne. Das sind halt ganz andere Spielrichtungen. Ich finde einfach, dass die Mode aus dieser Epoche für die Figur am schmeichelhaftesten ist.

Sie machen keine Mode für die viel zitierten Hungerhaken...

HOSCHEK: Nein, definitiv nicht. Ich war immer der Meinung, dass das Kleid nicht eine gewisse Figur vorgeben soll. Ich will ja nicht dass das Kleid mich trägt, sondern ich will das Kleid tragen. Das heißt, ich erwarte mir von Mode, dass sie mich ins beste Licht rücken soll. Das ist mein Anspruch an Kleider. Das Schmeichelhafte. Ich wollte auch nie nur für eine bestimme Bevölkerungsgruppe schneidern.

Könnten Sie sich auch vorstellen, für einen Konzern wie beispielsweise H&M eine Kollektion zu entwerfen?

HOSCHEK: Ja, schon. Unter gewissen Voraussetzungen. Die Sachen dürfen nur nicht "billigst" produziert werden. Ich erwarte von allem, wo mein Name drauf steht, eine entsprechende Qualität und die Einhaltung von gewissen Kriterien – also keine Kinderarbeit, angemessene Löhne etc. Wenn das alles passt, dann würde ich das sogar extrem gerne machen. Und ich war ja auch nie auf diesem Exklusivtrip, dass nur Auserwählte meine Mode tragen sollen. Im Gegenteil, ich hatte immer schon den totalen Kommerzgedanken: Je mehr Leuten ich mit schönen Kleider eine Freude machen kann, desto besser.

Stichwort "schöne Kleider": Wovon lassen Sie sich inspirieren?

HOSCHEK: Das ist natürlich schwierig. Wenn man ein kreativer Mensch ist, hat man seine Fühler ja immer ausgestreckt. Man stolpert über Dinge die einem gefallen, ob es ein altes Modeheft in einem Vintage-Geschäft ist oder gute Musik. Es geht einfach darum, in Stimmungen zu verfallen. Man wird ja nicht von einem Kleid, dass man irgendwo gesehen hat inspiriert, sondern eigentlich ist das ganze Drumherum, dass eine Stimmung aufkommen lässt, die ich dann halt versuche zum Endverbraucher zu transportieren - damit auch der das spüren kann.

Graz ist ja derzeit "City of Design".

HOSCHEK (lacht): Ja, davon habe ich schon gehört...

Wie weit sind die Steirer in Sachen Stil?

HOSCHEK: Das ist eine schwierige Frage. Jeder Mensch hat ja einen unterschiedlichen Stil, das kann man nicht verallgemeinern. Ich finde aber, dass sich im Modebewusstsein der Grazer schon sehr viel getan hat. Ich mag auch dieses stärkere Heimatbewusstsein, dass sich viele jetzt wieder trauen, Tracht zu tragen.

Trachten sind ja das, wofür Sie medial am meisten bekannt sind. Ärgert Sie das manchmal?

HOSCHEK: Ja, sehr sogar. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe Tracht über alles, aber am Ende macht das ja nur ca. zehn Prozent meiner Kollektion aus. Alles andere ist von Vintage-Kleidung inspiriert. Aber weil es halt die Frau Hoschek aus der Steiermark gemacht hat, finden es die Leute gleich "trachtig". Das finde ich einfach nur unqualifiziert.

Gab es einen Punkt, an dem Sie an Ihrem Stil gezweifelt haben?

HOSCHEK: Nein. Ehrlich gesagt ist mir das auch relativ wurscht, ob ich mit meiner Mode jetzt im Trend liege oder nicht. Ich mache das, worauf ich Lust hab und fertig. Was jetzt oder irgendwann Trend sein könnte, ist mir eigentlich egal.

Was ist Ihr persönlicher Tipp für Modeneulinge von heute?

HOSCHEK: Dass man einen eigenen, eigenständigen Stil hat, den man nicht ständig wechselt. Sehr viele Leute in der Modeschule haben sensationelle Designs gemacht und ein halbes Jahr später dann was ganz was anderes. Eine gewisse Kontinuität ist einfach wichtig, weil wenn du die Leute mit jeder neuen Kollektion total überforderst, dann ist es schwierig, sich den Kunden zu behalten. Der Wiedererkennungswert ist wichtig, um sich überhaupt mal einen Namen zu machen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

HOSCHEK (lacht): Also mein großes Motto für die Zukunft ist "Ordnung und Effizienz". Ich bin ja in sehr kurzer Zeit sehr viel gewachsen, quasi von einer "One woman show" zu einem richtigen Betrieb geworden, auch mit einigen Mitarbeitern. Da entsteht natürlich auch einiges an Kuddelmuddel und schön langsam muss ich halt anfangen das alles so richtig zu strukturieren. Wie eine richtige Firma eben.

Ihren Lebensmittelpunkt wollen Sie in Graz behalten?

HOSCHEK: Ja, auf jeden Fall. Ich fliege ja sehr viel herum, doch je mehr ich weg muss, desto mehr zieht's mich wieder zurück nach Graz. Ich sag's einfach mal so: Wenn Sie meine Pulsadern aufschneiden, dann kommt's grün raus.

CHRISTINA MAIER

Zur Person

Lena Hoschek , geboren am 23. April 1981 in Graz.

Karriere: 2003 Diplom an der Modeschule Hetzendorf in Wien . Danach Assistenz bei Vivienne Westwood in London. 2006 Eröffnung eines Ateliers in Graz. Heute Geschäfte in Graz, Wien und Berlin .

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