Unerbittlicher Mann der Macht
Überzeugendes Starkino mit Leo DiCaprio: Clint Eastwood erzählt die Lebensgeschichte des langjährigen FBI-Chefs J. Edgar Hoover.
Nur noch ältere Semester werden sich daran erinnern, dass in den 1960er-Jahren der damalige österreichische Innenminister Franz Olah seinen Staatspolizei-Akt in die Kamera hielt. Der Beweis war erbracht: Die Polizei sammelt Daten und legt Dossiers ohne rechtliche Grundlagen an.
Eine wenig erstaunliche Praxis, die selbst in hoch entwickelten Demokratien Stand der Dinge ist. Das ruft auch Regisseur Clint Eastwood in seinem jüngsten Spielfilm über den langjährigen FBI-Chef J. Edgar Hoover (Leo DiCaprio) in Erinnerung.
Warum wohl konnte sich der Kommunistenfresser, dem sogar alles Liberale ein Gräuel war, während der Amtszeiten von acht verschiedenen Präsidenten an der Spitze der Bundespolizei halten? Da gibt es etwas eine Szene, in der Hoover vor Justizminister Robert Kennedy aufsalutiert. Mit einem Dossier in der Hand und einem spitz formulierten Ratschlag. Der Herr Minister solle das seinem Präsidentenbruder auch zum Lesen geben. Und außerdem habe er eine Kopie an einem sicheren Ort verwahrt.
Diese Grundhaltung zieht sich durch das jahrzehntelange Polizistenleben: Kompromittierenden Informationen über Freunde und Feinde, vor allem aber die Missachtung der Rechtsstaatlichkeit dienen dem Erhalt und Ausbau der eigenen Macht.
Drehbuchautor Dustin Lance Black ("Milk") wählte eine klassische, aber doch raffinierte Dramaturgie des Rückblicks. In den späten 1960er- Jahren diktiert Hoover, den DiCaprio dank hoher Maskenbildnerkunst auch im Alter souverän spielt, einem Mitarbeiter seine Lebensgeschichte. Dieser verabschiedet sich per Handschlag, Hoover ist diese körperliche Berührung höchst unangenehm.
Drei Personen umgeben diesen Ränkeschmied und Paranoiker: Naomi Watts als überloyale Sekretärin, Judi Dench als gestrenge, bigotte Mutter, die lieber einen "toten Sohn" hätte als einen, der "absurde" Verhältnisse pflegt. Und Stellvertreter Clyde Tolson (Armie Hammer), dessen Beziehung zu Hoover Eastwood als verbotene Zweisamkeit zeigt. "J. Edgar" erzählt ungemein spannend von einem Ingenieur der Macht, der Kreativität nur bei der (falschen) Glorifizierung des Selbst entwickelt. HHHHI












