Existenzielle Unanständigkeit
Andreas Dresens Meisterwerk über todkranken Mann.
Zwei Menschen um die vierzig sitzen da und warten. Der Ort ist anfangs nicht eindeutig identifizierbar, die Vermutung erweist sich als richtig: ein Warteraum in einem Krankenhaus. Umschnitt. Nun sind wir im Behandlungszimmer eines Arztes, der Frank Lange (Milan Peschel) und seiner Frau Simone (Steffi Kühnert) eine niederschmetternde Nachricht überbringt: Die Untersuchungen haben eindeutig ergeben, dass Franks Gehirntumor inoperabel ist, er hat nur mehr ein paar Monate zu leben.
Das Unfassbare ergreift schön langsam Besitz der beiden. Michael Hammons Kamera bleibt nahe an den Gesichtern. Regisseur Andreas Dresen baut in dieser Anfangsszene eine ungemeine Wucht von Angst und Schrecken auf.
Keine Ahnung, wie viele Kinotode ich in meinem Leben bereits gesehen habe, doch keiner ist mir so nahe gegangen wie in diesem fiktionalen Spielfilm. Dresen ist da ein großartiges Meisterwerk gelungen, das sich in das Zuschauerhirn einbrennt, vor allem durch die Darsteller. Kein Millimeter Verlogenheit taucht da auf der Kinoleinwand auf.
Neben Peschel und Kühnert überzeugen vor allem die 14-jährige Tochter (Talisa Lilli Lemke) und der achtjährige Sohn (Mika Nilson Seidel). Im Vorjahr erhielt Dresen für diesen Streifen in Cannes den Großen Preis der Sektion "Un certain regard". RR HHHHH












