Rechtsextremist zum Theater-Intendanten bestellt
Ungarn im Rechtsruck: In Budapest ist nun der Rechtsextremist György Dörner Direktor des Neuen Theaters. Stürmische Proteste begleiteten seinen Amtsantritt. Er selbst will die "entartete, krankhafte liberale Hegemonie im Theaterbetrieb" bekämpfen.

Foto © APAGyörgy Dörner
Unter Viktor Orbán ist alles anders: Der Ministerpräsident ließ aus dem Staatsnamen "Republik Ungarn" das "Republik" streichen. Den Medien werden eiserne Fesseln angelegt. Und die neue Verfassung, die seit 1. Januar 2012 gültig ist und in der Gott, Stephanskrone, Familie, Treue, Glaube, Liebe und Nationalstolz beschworen werden, muss in jedem Gemeindeamt aufliegen. Samt einem Foto des Vorsitzenden der rechtskonservativen Fidesz-Partei natürlich. Sieht hübsch aus, wie ein Altar.
Anbetungswürdig ist Orbán freilich nicht. Und auch nicht der gewaltige Rechtsruck, den Ungarn macht. Der hat bekanntlich auch die Kultur erreicht. Die Bestellung des Rechtsextremisten Istvan Csurka zum Intendanten des Neuen Theaters ("Uj Szinhaz") in Budapest wurde zwar fallen gelassen, dafür ist seit Mittwoch György Dörner fix als dessen Direktor im Amt. Jener Autor, der versprach, die "entartete, krankhafte liberale Hegemonie im Theaterbetrieb" zu bekämpfen. Der 58-Jährige will sein Haus übrigens in "Hatorszag Szinhaz" umbenennen - in "Hinterland-Bühne". Irgendwie passend.
Am Tag von Dörners Amtsantritt gab es in Budapest heftige Demonstrationen vor dem Neuen Theater. Dabei rief der Ungarische Bund der Widerstandskämpfer und Antifaschisten zu mehr Toleranz auf und skandierte: "Nazis raus!" 100 Rechtsextremisten, unter ihnen uniformierte Angehörige der verbotenen Ungarischen Garde, stellten sich mit antisemitischen Schreien dagegen. Zuletzt flogen auch Fäuste, es gab Festnahmen.
Beim vorgestrigen "1. Europäischen Theatertag für Toleranz" gab es umfassende Protestnoten gegen Rassismus, auch in Österreich. Volkstheater-Chef Michael Schottenberg betonte: "Wir Theatermenschen sehen unsere zentrale Aufgabe darin, politisches Bewusstsein zu schaffen, wie ein Seismograph Entwicklungen zu erspüren und sichtbar zu machen, wenn die Zeichen der Zeit eine antidemokratische Wende ankündigen".













