Holztafel entpuppte sich als echter da Vinci
In der Steiermark soll es einen Originalentwurf zur "Felsgrottenmadonna" da Vincis geben. Über die spannende Spurensuche gibt es jetzt ein Buch.

Foto © APARestaurator Ernst Lux entdeckte die "Felsgrottenmadonna" - ein da Vinci-Original
Dan Browns berühmter Thriller "Sakrileg" oder im Original "The Da Vinci Code" faszinierte als Roman und Film Millionen. Und rückte Leonardos berühmte Gemälde "Mona Lisa" und die "Felsgrottenmadonna" ins Rampenlicht.
Von dieser "Felsgrottenmadonna" sind mehrere Fassungen und viele Kopien erhalten - was die außergewöhnliche Beliebtheit des Gemäldes beweist - zur Zeit Leonardos wollten es einfach viele haben.
Doch gibt es tatsächlich auch einen Originalentwurf - und das in der Steiermark?
Ernst Lux, Restaurator aus Wien und Entdecker des Bildes, ist davon überzeugt: Vor zehn Jahren ist ihm das Bild zur Überprüfung übergeben worden - inzwischen haben er und Ernst Ullmann, ein auf Leonardo spezialisierter Kunsthistoriker der Universität Leipzig, sogar ein Buch über die spannende Beweisführung geschrieben: "Ein wiedergefundener Leonardo da Vinci. Die Urfassung der Felsgrottenmadonna."
Tafel aus Pappelholz
"Das Ganze hat gar nicht als Leonardo angefangen", erinnert sich Lux. "Einer der Eigentümer ist an mich herangetreten und hat mir die kleine Tafel aus Pappelholz (39,2 x 26 cm) gezeigt", schildert er. Das kleine Gemälde war jahrelang als Leihgabe der Familie Attems in der Alten Galerie in Graz ausgestellt gewesen, war aber durch einen Verkauf nach dem Ersten Weltkrieg in Privatbesitz gekommen. "Schau, was du herausfinden kannst, hieß es."
"Jetzt stand es vor mir und sah eigentlich nicht aus wie eine Kopie, doch was sollte es sonst sein?", dachte Lux. Dann begannen die wissenschaftlichen Checks. Zuerst eine Röntgenbeugung, die bewies, dass beim Malen Blei-Zinn-Gelb verwendet wurde, ein Pigment, das nach 1720 nicht mehr in Verwendung war. Dann war das Pappelholz an der Reihe. Mit der Radiokohlenstoffdatierung C 14 konnte man das Alter auf die Zeit von 1430 bis 1530 eingrenzen, also in Leonardos Lebzeit. Danach machte ein Florentiner Spezialist Infrarotaufnahmen. Dabei sieht man die Vorzeichnungen des Künstlers. "Wenn ich nichts sehe, dann ist es eine Kopie", erklärt Lux. Und siehe da - es tauchten durchgehende Vorzeichnungen auf. Noch dazu abweichend vom späteren Bild, das heute im Louvre hängt. "Der Künstler war also noch bei der Bildfindung", so Lux.
Jetzt wurden alle Tests noch einmal von anderen Wissenschaftlern durchgeführt, um ja sicherzugehen - doch das Ergebnis blieb dasselbe. Es musste sich bei dem Gemälde um die Urfassung des Originals von der "Felsgrottenmadonna" handeln, die im Pariser Louvre hängt - um ein sogenanntes Concetto, kam Lux zur Überzeugung. "Das ist die kleinformatige Version eines Gemäldes, die dem Auftraggeber bei Vertragsabschluss übergeben wurde."
Spurensuche
Jetzt machte er sich mit Ernst Ullmann auf Spurensuche. Und überprüfte alle bekannten Fassungen der Felsgrottenmadonna - alle schienen identisch. Bloß das Concetto zeigte viele Abweichungen. "Die gibt es nur, wenn es sich um ein authentisches Werk des Künstlers handelt", klärt der Restaurator auf. "Kein Mitarbeiter hätte es gewagt, etwas anderes zu machen. Nur der Meister selbst."
Seine Schlussfolgerung: "Das Bild muss von Leonardo sein, alle Indizien weisen darauf hin." Keine Frage - das würde das Bild unbezahlbar machen. Darum bleibt es auch im Tresor seiner Eigentümer. Sicher ist sicher.












