UNO lässt sich von Taliban nicht einschüchtern
Ungeachtet der Warnungen vor Angriffen der Taliban auf ausländische Helfer in Pakistan wollen die Vereinten Nationen ihre Arbeit im Flutgebiet unvermindert fortsetzen.

Foto © APDie Menschen in Pakistan sind dringend auf Hilfe angewiesen
"Wir lassen uns von Drohungen nicht einschüchtern", sagte UN-Nothilfekoordinator John Holmes am Donnerstag am UN-Sitz in New York. Diese Drohungen habe es zudem bereits vor den Überschwemmungen gegeben. "Wir haben immer gewusst, dass es Sicherheitsprobleme gibt", sagte Holmes.
Die USA hatten am Mittwoch vor möglichen Taliban-Anschlägen auf ausländische Helfer gewarnt. Der US-Regierung lägen Informationen über entsprechende Pläne der Islamisten vor, hieß es. Die Taliban hatten die ausländische Hilfe für die Katastrophengebiete in Pakistan scharf kritisiert. Radikalislamische Hilfsorganisationen waren nach den Überschwemmungen schneller als die Landesbehörden und ausländische Organisationen vor Ort, um zu helfen.
Taliban kritisieren Hilfsorganisationen
"Es wäre unmenschlich, uns und unsere Arbeit anzugreifen und damit den Millionen Menschen zu schaden, deren Leben wir zu retten versuchen", erklärte UNO-Sprecher Maurizio Giuliano in Islamabad. Die Taliban hatten die ausländische Hilfe wiederholt scharf kritisiert und die pakistanische Regierung aufgefordert, sie abzulehnen. Radikalislamische Hilfsorganisationen waren häufig als erste Helfer vor Ort.
Vor diesem Hintergrund warnte die Vatikan-Nachrichtenagentur Fides vor "systematischen Diskriminierungen" bei der Verteilung von Hilfsgütern. Da diese vielerorts von muslimischen Organisationen oder "Anhängern von Extremisten" verteilt würden, blieben Christen auf der Strecke. Laut Fides sind in der Provinz Punjab rund 200.000 und in Sindh etwa 600.000 christliche Flüchtlinge von der Katastrophe betroffen. Die Agentur berief sich auf die Caritas und andere Organisationen.
Weitere Regenfälle
Von der Flutkatastrophe sind nach UNO-Schätzungen bis zu 20 Millionen Menschen heimgesucht. Rund ein Fünftel des Territoriums wurde überschwemmt, 1600 Menschen starben. Auf den Süden prasselte am Donnerstag weiter Regen nieder. Der Indus erreichte an der Mündung einen kritischen Wasserstand. Die Behörden von Sindh forderten rund 400.000 Menschen aus drei Städten auf, sich in Sicherheit zu bringen.
Bedrohlich stieg auch der Wasserstand an einem Schutzdeich im Dorf Garhi Kuda Bakhsh, in dem sich das Mausoleum der früheren Regierungschefin Benazir Bhutto und ihres Vaters Zulfikar Ali Bhutto befindet. Die Behörden verstärkten die Dämme, um es zu beschützen. Im Norden Bangladeschs und im nordöstlichen indischen Unionsstaat Assam waren laut Behörden von den Regengüssen der vergangenen Tage insgesamt mehr als 85.000 Menschen betroffen, die meisten mussten fliehen. Tausende Hektar Land wurden zerstört.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) lotete am Donnerstag "sämtliche Möglichkeiten" aus, um Pakistan zu helfen. Dabei gebe es auch die Möglichkeit eines Notkredits, sagte ein Sprecher in Washington. Die Verhandlungen befänden sich indes noch in einem "technischen Stadium".
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Fakten
Pakistan kämpft seit nunmehr einem Monat gegen die schlimmsten Überschwemmungen seiner Geschichte. Von der Flutkatastrophe sind nach UN-Schätzungen bis zu 20 Millionen Menschen betroffen. Rund ein Fünftel des Territoriums wurde überschwemmt, 1600 Menschen starben.









