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Zuletzt aktualisiert: 25.07.2010 um 09:33 UhrKommentare

Hämische Karikaturen nach BP-Bildmanipulation

"Helft BP zu lernen, wie man Photoshop benutzt" - Nach einer schweren PR-Panne des Ölkonzerns, in der Bilder mittels Bearbeitungsprogrammen gefälscht wurden, kommt nun die Retourkutsche. Beiträge von gizmodo oder wired.com machen sich über die schlechten Fälschungen lustig.

BP bringt auf seiner Internetseite das von Americablog enttarnte Foto

Foto © APBP bringt auf seiner Internetseite das von Americablog enttarnte Foto

Der Ölkonzern BP hat manipulierte Fotos seines Einsatzes gegen die Ölpest veröffentlicht. Das zuletzt veränderte Foto zeigt den Blick aus dem Inneren eines Hubschraubers. Im Original steht der Pilot mit seiner Maschine auf dem Deck eines Schiffs oder einer Plattform. In der veränderten Fassung ist dieser Teil des Hintergrunds entfernt. Nun sieht es so aus, als fliege der Hubschrauber übers blaue Wasser und befinde sich im Einsatz. Die Bilder sind inzwischen zwar von der BP-Website verschwunden - beleben das Netz aber weiterhin, nunmehr in Form hämischer Karikaturen.

Zunächst listeten Beiträge bei gizmodo.com oder americablog.com die zahlreichen kleinen Fehler auf, die dem Urheber der Manipulation unterliefen. Jetzt heißt es beim Magazin "Wired.com": "Helft BP zu lernen, wie man Photoshop benutzt". Und fragt: Wer liefert den besten Blick aus dem Helikopter-Cockpit? Das Rohmaterial steht zur Verfügung, weil BP Original und Fälschung bei "flickr.com" einstellte. Das Bildbearbeitungsprogramm "Photoshop" ist so etwas wie der Industriestandard unter Fotografen.

In einer hämischen Variante scheint der Helikopter vor der Preistafel einer großen Fast-Food-Kette zu schweben. "Sicher flicken wir das Leck - wenn wir unseren Apfelkuchen gegessen haben", hat Autor Jonathan Byrd hinzugefügt. Im nächsten Bild sehen sich die beiden Piloten dem Filmmonster "Godzilla" gegenüber. Nächste Variante: Der Helikopter fliegt durchs All und begegnet einem Raumschiff.

In zweiten Fälschungsfall wurde der langweilig-weiße Fleck eines Kontrollmonitors im BP-Krisenzentrum mit einer Unterwasser-Aufnahme überdeckt, womöglich, um das Motiv für die Presse interessanter erscheinen zu lassen. Das veranlasst die Digital-Karikaturisten, die BP-Mitarbeiter vor einen Bildschirm mit "Photoshop" zu setzen. Im nächsten Fall befassen sie sich mit einem Kartenspiel statt mit der Steuerung der Unterwasser-Roboter. Und dann zeigt der veränderte Monitor auf die USA anfliegende Atomraketen.

Für BP bedeutet die Häme im Netz eine weitere schwere PR-Panne. Aber auch sonst hat die Analyse gefakter, gefälschter und manipulierter Bilder einen ernsten Hintergrund. Wie schon zur Zeit der analogen Fotografie stellt sich immer die Frage: Welcher Information kann man trauen - und welcher nicht?

Digitalbilder lassen sich vermeintlich leichter verändern, weil sie bereits im Rechner vorliegen. Wer aber Experten für digitale Bildforensik hinters Licht führen will, muss eine Menge Tricks kennen.

So gilt es, die Farbtöne ("Weißabgleich") verschiedener Aufnahmen exakt aneinander anzugleichen. Zudem zeigen die Bildsensoren verschiedener Kameras ein unterschiedliches Rauschverhalten, was Experten gleichfalls schnell auffällt. Zudem schärfen Kameras ihre Bilddaten nach der Aufnahme - je nach Modell und Algorithmus - ebenfalls unterschiedlich. Eine echte, professionelle Fälschung ist daher eine höchst aufwendige Sache. Die Fehler in den BP-Bildern sind da weitaus augenfälliger.


Fakten

Ein US-Bundesrichter untersagte am Mittwoch Ölfirmen vorerst die Erschließung von Öl- und Gasfeldern vor der Nordwestküste Alaskas. Bezirksrichter Ralph Beistline erklärte zur Begründung, die frühere US-Regierung von Präsident George W. Bush habe Umweltrecht missachtet, als sie die Bohrrechte im Februar 2008 verkaufte. Der Verkauf der Bohrrechte in der Tschutkschen-See brachte seinerzeit fast 2,7 Milliarden Dollar (2,1 Milliarden Euro) ein. Der Konzern Royal Dutch Shell wollte ursprünglich in diesem Sommer drei Probebohrungen in dem Gebiet durchführen.

Foto

Foto © AP

Bild vergrößernDas manipulierte FotoFoto © AP

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