Kälte und Schnee: Europa im Chaos
Die Kältewelle hat Europa fest im Griff. Purzelnde Temperaturrekorde, Heizungsausfälle und Chaos auf den Straßen sind die Folge.

Foto © APAEisskulpturen am Bodensee
Österreich - Salzburg
Zum Thema
In Salzburg kommt es am heutigen Samstag zu erheblichen Störungen bei der Fernwärme-Versorgung. Wie die Salzburg AG in der Früh in einer Aussendung mitteilte, sind die Erzeugungsanlagen im Heizkraftwerk Mitte um 02.40 Uhr aufgrund eines technischen Gebrechens ausgefallen. Damit können nur zwei Drittel der 30.000 Fernwärme-Kunden versorgt werden, bestätigte Martin Jäger von der Salzburg AG der APA auf Nachfrage. "Bei einem Drittel kommt die Wärme nicht an."
Man arbeite mit Hochdruck an der Behebung des Gebrechens. Es sei nicht absehbar, wie lange die Störungsbehebung dauern werde. Um 06.00 Uhr Früh hatte es am Salzburger Flughafen nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) 17,6 Grad unter Null.
Italien - Rom
Rom erlebt die heftigsten Schneefälle seit den 80er Jahren. In der Nacht auf Samstag durchwehte auch ein eisiger Sturm die Ewige Stadt, seit Freitagvormittag schneite es fast ununterbrochen, was die 3,5 Millionen-Metropole ins Chaos stürzte. Das gesamte Verkehrsnetz kam zum Erliegen. Die große Straßenumfahrung GRA musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.
Wegen der vereisten Straßen kam es zu mehreren Unfällen. Autofahrer mussten mehrere Stunden lang auf Straßen ausharren, auf denen sich Fahrzeuge quergestellt hatten. Das öffentliche Verkehrssystem brach am Freitagabend zusammen.
Die Fluggesellschaften Alitalia kündigte an, dass am Samstag 40 Flüge gestrichen werden müssen. Bei der Bahnverbindung zwischen dem römischen Flughafen Fiumicino und dem Stadtzentrum kam es zu Verspätungen. Der regionale Bahnverkehr kam zum Erliegen.
Bürgermeister Gianni Alemanno rief die Römer auf, nicht das Auto zu nehmen. Die Schulen sind am Samstag geschlossen. Seit dem Jahr 1986 hat Rom keinen derart heftigen Schneefälle mehr erlebt. Begeisterte Touristen fotografierten eifrig den Schnee, der über der Spanischen Treppe, dem Trevi-Brunnen und der Piazza Navona fiel. Kolosseum, Forum Romanum, der Palatinshügel und andere archäologische Stätten wurden geschlossen.
Italien im Würgegriff
Die Kältewelle hält ganz Italien im Würgegriff und hat bereits einige Todesopfer gefordert. So wurde ein 46-Jähriger in seinem schneebedeckten Auto in einer Bergortschaft der süditalienischen Provinz Isernia gefunden. Ein Obdachloser wurde in Mailand tot aufgefunden, ein 76-Jähriger erlag beim Schneeschaufeln in Parma einem Herzinfarkt.
Die Lage sei "besonders kritisch", sagte der Chef des Zivilschutzes, Franco Gabrielli. Die Rettungskräfte seien in erhöhtem Alarmzustand. 150 Passagiere sitzen seit zehn Stunden in Carsoli in den Abruzzen im Zug Rom-Avezzano fest . Der aus Rom abgefahrene Zug konnte nicht mehr weiterfahren.
Eine Fähre mit 263 Passagieren und 53 Besatzungsmitglieder an Bord, die am Freitagabend vom Hafen der Stadt Civitavecchia nördlich von Rom abgefahren war, rammte wegen der hohen Wellen und einem Schneesturm einen Damm. Dabei bildete sich ein Riss im höheren Teil des Schiffes. Keine der Personen an Bord wurde verletzt.
Serbien und Montenegro
Anhaltende Schneefälle haben Belgrad am Freitag lahmgelegt. In Süd- und Westserbiens spitzten sich unterdessen die durch Schneefälle schon vorher verursachten Probleme weiter zu. Ein Ausnahmezustand wurde nach Angaben der Behörden bisher in 26 Gemeinden ausgerufen. Über Verkehrsprobleme wurde auch aus Montenegro berichtet, wo es am Freitag zur Einstellung des Verkehrs auf der wichtigsten Straßenverbindung zwischen der Hauptstadt Podgorica und Bijelo Polje im Norden des Landes kam.
Wegen chaotischer Zustände im Straßenverkehr wurde in Belgrad der Schulunterricht am Nachmittag eingestellt. Bildungsminister Zarko Obradovic empfahl allen Schulen und Kindergärten im Lande, ihre Tätigkeit in der kommenden Woche wegen erwarteter weiterer Schneefälle und Kälte einzustellen. Es geht auch um eine Stromsparmaßnahme. Von der Regierung wurden am Abend die Industriebetriebe aufgefordert, den Stromverbrauch im Einklang mit den technischen Möglichkeiten auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Die Lokalverwaltungen sollten die öffentliche Beleuchtung reduzieren. Den Wetterprognosen zufolge dürfte die derzeitige Kältewelle noch etwa zehn Tage anhalten. Appelle zur Stromeinsparung wurden auch in Montenegro, zuerst nur an die Kleinverbraucher, gemacht.
Schweiz
Auch in der Schweiz purzeln die Temperatur-Minusrekorde. Manche Orte erlebten die kälteste Februarnacht seit über 30 Jahren - so etwa in der Nordwestschweiz und vom Kanton Zürich bis in den Thurgau, meldete der Wetterdienst des Schweizer Fernsehens. Am kältesten ist es derzeit in Schwyz und Graubünden: Der Wetterdienst Meteomedia maß auf der Schwyzer Glattalp -34 Grad und SF Meteo kam auf der Alp Buffalora am Ofenpass auf eine Temperatur von -31,3 Grad.
Grund für die tiefen Temperaturen seien wenig Wind und eine sternenklare Nacht, teilte MeteoNews mit. Der Schweizer Rekord wurde am 12. Jänner 1987 im neuenburgischen La Brevine gemessen und beträgt -41,8 Grad, wie es auf der Internetseite von MeteoSchweiz heißt. La Brevine vermeldete in der Nacht auf Samstag "nur" -24 Grad Kälte.
Deutschland
Angesichts der extremen Kälte in Deutschland fordert die erste Gewerkschaft Frostzuschläge für Millionen Beschäftigte, die im Freien arbeiten müssen. Das berichtet die "Bild"-Zeitung (Samstag-Ausgabe). Der Vorsitzende der für Straßen-und Verkehrsbeschäftigte zuständigen Fachgewerkschaft VDStra, Siegfried Damm, sagte dem Blatt: "Wir wollen tariflich durchsetzen, dass es ab 10 Grad Minus angemessene Kältezuschläge von bis zu 100 Euro pro Monat gibt." Denkbar wären beispielsweise "temperaturabhängige Tagespauschalen".
Am Bau gibt es zwischen Mitte Dezember und Ende Februar bereits "Mehraufwands-Wintergeld" in Höhe von einem Euro netto pro Stunde, wie die "Bild" unter Berufung auf die IG Bau berichtet. Ingo Schäfer, Chef der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, sagte dem Onlineformat bild.de: "Wir wären schon froh über warme Winterkleidung."










