Warme Plätze: "Nachfrage ist kaum bewältigbar"
Die Kältewelle in Europa bringt vor allem obdachlose Menschen in Lebensgefahr. In Österreich müssen die Hilfsorganisationen täglich die Zahl ihrer Plätze aufstocken, so groß ist der Bedarf an Schlafplätzen. Die ÖBB prüfen nun, die Bahnhöfe zu öffnen.

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Die Kältewelle hat derzeit ganz Europa im Griff. Im Osten Europas gab es bis zu minus 34 Grad. In der Ukraine stieg die Zahl der Kältetoten offiziell auf 101. Die meisten Opfer sind Obdachlose. Allein 64 Leichen seien auf den Straßen gefunden worden. Die Regierung des zweitgrößten Flächenstaats Europas erhöhte die Zahl der Wärmestuben, in denen Frierende mit heißen Getränken und Essen versorgt werden, deutlich auf fast 3.000. In Russland erfroren im Jänner insgesamt 64 Menschen.
ÖBB wollen die Bahnhöfe öffnen
Auch in Österreich sind ob der anhaltenden kalten Temperaturen Initiativen gefragt. Nach zahlreichen Forderungen wollen die ÖBB wegen der Kälte Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose prüfen. "Aufgrund der extremen Kälte und überfüllter Notschlafstellen für Obdachlose haben die ÖBB eine Sofortinitiative gestartet, um schnelle und unbürokratische Hilfe für Bedürftige zu finden", hieß es am Freitag in einer Stellungnahme, welche die Bundesbahnen auf ihre Facebook-Präsenz stellten. "Die ÖBB prüfen aktuell alle Möglichkeiten, wie sie für die notleidenden Menschen zusätzliche Schlaf- und Aufenthaltsräume zur Verfügung stellen können. Die ÖBB sind seit heute Nacht in enger Abstimmung mit den Sozialhilfeorganisationen."
Der Ankündigung waren zahlreiche Forderungen, unter anderem über das Social Network Facebook, vorausgegangen, dass die ÖBB auf ihr Hausrecht verzichten und die Bahnhöfe öffnen sollten. So appellierte Margit Picher, geschäftsführende Obfrau des Patchwork-Familien-Service: "Es gibt viele Obdachlose, die nicht in ein Obdachlosenheim gehen, weil viele aufgrund ihrer oft tragischen Lebensgeschichte Einzelgänger sind und lieber den Kältetod in Kauf nehmen, als sich einer Gruppe anzuschließen. Das ist für viele von uns unvorstellbar. Umso wichtiger wäre es die Bahnhöfe zu öffnen!"
"Nachfrage nach einem warmen Platz kaum bewältigbar"
Auch in Wien stellt die Kälte weiterhin zahlreiche Obdachlose vor große Probleme: Die anhaltend frostigen Temperaturen sorgen für großen Andrang in den Notschlafquartieren. "Die Nachfrage nach einem warmen Platz und einem warmen Essen ist kaum bewältigbar", hieß es in einer Aussendung der Diakonie Österreich. An normalen Wochentagen würden 60 bis 80 Mittagessen serviert und jetzt, an Spitzentagen, bis zu 160, berichtete Roberta Rastl-Kircher von der Diakonie Österreich der Austria Presse Agentur.
Am Freitag musste die Caritas ein zusätzliches Winterquartier in Währing öffnen. "Dort werden gemeinsam mit dem Fonds Soziales Wien (FSW) 45 zusätzliche Plätze geschaffen", kündigte Caritas-Sprecher Klaus Schwertner im APA-Gespräch an. Am Abend werden die Tische beiseite gerückt und Schlafsäcke sowie Isomatten an die Bedürftigen verteilt. Geschlafen wird am Boden. Das zusätzliche Winterquartier soll nicht nur die kommenden Tage geöffnet haben, sondern bis ins Frühjahr, kündigte der Sprecher an: "Für uns als Caritas ist es wichtig, dass jeder Obdachlose, der einen schützenden Schlafplatz braucht, diesen auch erhält."
Kapazitäten werden weiter aufgestockt
Anhaltend groß ist der Andrang in den beiden Caritas-Einrichtungen "Gruft" in Mariahilf bzw. in der zweiten Gruft in Neubau, die vor allem wohnungslosen Ausländern ein Dach über dem Kopf bietet. In der Nacht auf Donnerstag haben sich in der Gruft unter der Barnabitenkirche rund 80 Menschen aufgehalten. Auch die zweite Gruft sei "komplett voll" gewesen: "Es haben in den vergangenen Nächten regelmäßig 67 Menschen dort geschlafen", berichtete Schwertner. Vorgesehen sind 62 Plätze.
Aufgrund der Minustemperaturen wurden schon in den vergangenen Tagen die Kapazitäten einiger Wiener Quartiere aufgestockt: Unter anderem hat das Rote Kreuz zehn weitere Schlafmöglichkeiten im Haus Hermes im Bezirk Landstraße geschaffen. Auch in der Caritas-Einrichtung U63 in Meidling gibt es nun drei weitere Plätze, berichtete eine FSW-Sprecherin der Austria Presse Agentur. Insgesamt fördert bzw. betreut der FSW derzeit 425 Notquartiersplätze. In der Nacht auf Donnerstag sei die Auslastung bei nahezu 100 Prozent gelegen, berichtete die Sprecherin. Vier Plätze seien noch frei gewesen.










