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Zuletzt aktualisiert: 03.02.2012 um 20:26 UhrKommentare

Mit Krebs leben lernen

Weniger Erkrankungen, weniger Todesfälle, neue, wirksame Therapien - das sind die guten Nachrichten zum heutigen Weltkrebstag. Aber der Krebs lässt uns nicht los und mutiert zu einer chronischen Plage.

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Foto © Falko MatteSujet

D ie Krebszelle ist ein teuflisches Wunderwerk: Wandlungsfähiger als jedes Lebewesen, das wir kennen. Kaum haben Wissenschaftler einen Weg gefunden, ihr den Garaus zu machen, mutiert sie und findet wieder ein Schlupfloch, um zu überleben. Es mag grotesk klingen: die todbringende Krebszelle ist der größte Überlebenskünstler der Welt.

Trotz hoffnungsvoller Meldungen (siehe Grafik) zeichnet sich ein Ende des Kampfes nicht ab. Der Onkologe Hellmut Samonigg vergleicht Krebs mit einem Auto, "dessen Gaspedal bei Vollgas klemmt, außer Kontrolle geraten ist: Die Tumorzellen vermehren sie unaufhaltsam." Rund 40.000 Menschen erkranken in Österreich jährlich an Krebs. Rund 9000 Frauen und 10.000 Männer sterben pro Jahr.

Doppelte Überlebenszeit

Krebsforscher prophezeien dennoch, dass Krebs zu einer chronischen Erkrankung wird - und wir im Laufe unseres Lebens sogar an mehreren unterschiedlichen Arten leiden werden. Weil unsere Lebenserwartung noch steigt und der der Medizin ein immer größeres Arsenal diverser Therapien und hochspezialisierter Medikamente zur Verfügung steht.

Moderne Medikamente können heute Krebszellen an- und abschalten, Nährstoffversorgungen unterbinden oder sogar Krebszellen umprogrammieren, damit sie sich selbst zerstören. Es gibt sogar ein Hautkrebs-Medikament, das Metastasen - zumindest eine Zeitlang - zurückdrängen kann.

Wo früher alte Chemotherapien wie alles vernichtende Napalbomben eingesetzt wurden, hat man heute - auch bei den Chemotherapien - wesentlich schonendere und wirksamere Zugänge gefunden. Allein in den letzten zehn Jahren kam es zu enormen Steigerungen der Überlebenszeit, auch bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen. Vor zehn Jahren überlebte ein Patient mit dem B-Zell-Lymphom im Schnitt drei Jahre. Heute sind es siebeneinhalb Jahre.

Beim Brustkrebs sind es 58 statt 22 Monate. Krebs-Forscher und Chirurg Michael Gnant: "Und vier von fünf Brustkrebspatientinnen, die wir heute diagnostizieren, können wir helfen."

Und das Wissen für die Mediziner verdoppelt sich alle drei jahre: Neue Präparate, immer mehr Kombinationstherapien - die Krebstherapie ist zu einem riesigen Wissenspuzzle geworden.

Ratlosigkeitund Kostenlimit

Aber noch immer herrscht Ratlosigkeit, warum man in der Therapie nicht alle Zellen erwischt. Eine neue Theorie besagt, dass der Primärtumor im Körper Stammzellen verteilt. Und dass bei den Therapien oft nur mutierte Zellen erwischt werden aber die Stammzellen überleben - und irgendwann wieder zuschlagen.

Die Kosten einer Behandlung? Etwa 4000, 5000 Euro pro Monat, ein Behandlungszyklus liegt etwa bei 30.000 Euro. Länder wie England setzen bereits Kosten-Limits. Ein Jahr Lebensverlängerung durch ein Krebsmedikament ist maximal 35.000 Euro wert. Im Extremfall könnte das bedeuten: Ein Medikament, dass das Leben nur wenige Monate verlängert aber ein Kostenlimit übersteigt, wird nicht eingesetzt. In Österreich gibt es solche Überlegungen - noch - nicht.

Eine Konsequenz kann man heute schon in den Statistiken ablesen: Unterschiedliche Überlebenszeiten bei ein und derselben Krebsform, je nachdem wo man lebt. Österreich weist im Europa-Vergleich gute Überlebens-Daten auf.

Die Ausgaben für Arzneimittel gegen bösartige Erkrankungen machen heute etwa 1,1 Prozent aller Gesundheitsausgaben aus. Durch Generika-Einsatz sollen die Kosten im Zaum gehalten werden. Krebsexperte Peter Krippl spricht letztlich von einer "politischen Frage": "Was wollen wir uns für die Gesundheit leisten? Wo machen wir Restriktionen? Und was ist uns ein Lebensmonat mehr wert?"


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Fakten

Der diesjährige Weltkrebstag steht unter dem Motto "Together it is possible!". Das Gesundheitsministerium arbeitet an einer Gesamtstrategie für Österreich zum Thema Krebs und will dadurch die Koordination zwischen Prävention und Nachsorge verbessern. Am Welt-Krebstag (Samstag, 4. Februar) findet in Wien im Rathaus auch der Wiener Krebstag (11.00 Uhr bis 17.00 Uhr) statt. Veranstaltet wird der Informationstag von der Initiative "Leben mit Krebs".

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