Brustkrebspatientin: "Wollte das Mitleid der Leute nicht"
Wie eine junge Kärntnerin mit der Diagnose Brustkrebs zurechtkam. Jetzt ist sie krebsfrei, hat am Klinikum Klagenfurt eine neue Brust erhalten und sagt: "Das Wort Krebs mag ich nicht, das klingt irgendwie so nach sterben".

Foto © KLZ/TraussnigMatthias Rab klärte Nicole im Klinikum Klagenfurt über die Möglichkeiten zum Wiederaufbau der Brust aus Eigengewebe auf
Nicole Maier (29)* hat mit dem Thema Brustkrebs abgeschlossen, ihre blauen Augen strahlen voll Lebensfreude, ihr unbekümmertes Lachen ist ansteckend. Sie redet nicht von positivem Denken, sie macht es ganz einfach.
"Rückblickend betrachtet, ist das alles wie ein Film für mich", sagt die Unterkärntnerin, "als ob es diesen Abschnitt in meinem Leben gar nicht wirklich gegeben hätte." Dabei hat Nicole mehr als ein Jahr voll dramatischer und einschneidender Erlebnisse hinter sich. Mit Schmerzen im Brustbereich geht sie zum Arzt, eine erste Untersuchung beim Frauenarzt zeigt aber keine Auffälligkeiten. Eine Woche danach bemerkt ihr vierjähriger Sohn eine ungewöhnlich harte Stelle auf ihrer linken Brust.
Brustabnahme notwendig
Zu diesem Zeitpunkt, Ende August 2010, hat sich der Krebs schon ausgebreitet, mehrere Knötchen werden festgestellt, der Wächterlymphknoten ist voll. Eine Brustabnahme ist unvermeidbar. "Mir war bald klar, dass ich das machen muss." Bereits einen Monat nach der Diagnose wird sie im Krankenhaus St. Veit operiert. "Am Anfang wollte ich gar niemanden verraten, dass ich eine Operation habe. Ich wollte nicht, dass sich meine Eltern und Freunde Sorgen machen." Sie spielt die Erkrankung herunter und spricht von einer harmlosen Routineoperation. Dabei hat der Krebs weit gestreut, bei der OP-Besprechung erfährt auch ihr Lebensgefährte, wie ernst es eigentlich ist. Wäre die Krankheit nicht bemerkt worden, hätte das in diesem Stadium tödlich enden können.
Angst vor dem Tod
"Angst vor dem Sterben hatte ich nie. Ich habe mir gesagt: Ich will leben und werde das nie wieder kriegen." Die Operation ist erfolgreich, viel mehr Sorgen bereiten Nicole die Gedanken an die bevorstehenden Chemotherapien. "Das Schlimmste war, dass mir irgendwann die Haare und Wimpern ausgegangen sind. Ich habe mich irgendwie geschämt und wollte einfach die Blicke und das Mitleid der Leute nicht."
Die Chemotherapien werden zu einem ständigen Auf und Ab, "es war wie eine Grippe, nur zehnmal so schlimm". Sie muss Unmengen von Tabletten schlucken, kann teilweise ihre Hände und Füße nicht richtig abbiegen, zittert am ganzen Körper, immer wieder fallen ihr Gegenstände aus den Händen.
Sie versucht, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten. "Mein Lebensgefährte war immer für mich da, das hat alles viel leichter gemacht." Auch ihre beiden Arbeitgeber, Tarik Osmanagic (Atelier Rooms) und Zahnarzt Eberhard Kowatsch aus Ebenthal, stehen ihr bei. "Sie haben mich über all die Monate seelisch und auch finanziell unterstützt, ich bin ihnen unendlich dankbar dafür."
Irgendwann sagt ihr Sohn: "Mama, deine Haare wachsen wieder!" Von da an geht es aufwärts und nach einigen Monaten mit einer Brustprothese wird der Wunsch nach einer echten Brust stärker. Matthias Rab, Leiter der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie im Klinikum Klagenfurt bestärkt Nicole in ihrem Vorhaben.
Brust aus Bauchgewebe
"Nach solchen Operationen kann die Brust mittels Eigengewebe aus Bauch oder Oberschenkel wiederhergestellt werden", erklärt Rab, einer der führenden Experten auf diesem Gebiet. Auch Implantate wären eine Option. "Entscheidend ist nicht, was möglich ist, sondern was Sinn macht." Im Fall von Nicole wurde Gewebe aus dem Bauch entnommen und damit die Brust rekonstruiert.
Als sie nach der stundenlangen mikrochirurgischen Operation aufwacht, ist sie überglücklich. "Es hat super ausgeschaut und ich war so froh, dass die Brust wieder da ist." Nach einigen Tagen mit zittern, ob der Körper die neue Brust auch annehmen wird, ist die Erleichterung riesengroß. "Und ich habe ja auch eine gestraffte Bauchdecke dazubekommen", lacht Nicole.
Sollte sie fünf Jahre krebsfrei bleiben, gilt sie als geheilt. "Aber ich akzeptiere bis heute nicht, dass ich überhaupt krank war."
* Name von der Redaktion geändert
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