Bezirks- und Gemeindesuche
Gottes genialer Goldfinger
Goldschmied Guido Kapsch aus Klagenfurt erzeugt Schmuck und restauriert kirchliche Objekte. Sogar der Papst kann mit seinem Rosenkranz beten, wenn er will.

Foto © KLZ/TraussnigGuido Kapsch in seine Werkstatt
Nicht schlecht für jemanden, dem die Lehrer ein Schicksal als Versager prophezeiten: Guido Kapsch versorgt Österreichs Bischöfe und Kardinal, den Papst, Schweizer Garde oder Adel mit Insignien und anderen wertvollen Objekten. Damit nicht genug: Als "Ritter des Ordens vom Hl. Papste Silvester" darf er sogar die Treppen des Petersdomes hinaufreiten, "aber da würde das Pferd wohl alleine ankommen". "Komisch", wundert sich der 61-Jährige ironisch, "als ich Erfolg hatte, sagten die gleichen Lehrer, sie hätten immer schon gewusst, wie toll ich bin!"
Kapschs Vater war Richter und führte Prozesse gegen illegale Nazis vor und gewesene Nazis nach der NS-Zeit. "Das nahmen ihm viele Leute übel und ich musste es ausbaden."
Die Wende kam in der Gold- und Silberschmied-Ausbildung in der HTL Ferlach: "Da wurde ich zum ersten Mal mit ,Sie' angeredet und hatte Spaß am Lernen. Das alles war gut für mein Selbstbewusstsein."
Als frischgebackener Edelmetall-Schmied stürzte er sich in drei Lehr- und Wanderjahre - in Deutschland, den Benelux-Staaten, Mexiko, Süd-West-Afrika. "In Afrika lernte ich, dass man nie sagen darf ,Ich kann das nicht!' Wenn man etwas probiert und es klappt nicht - das macht nichts. Aber von vornherein aufgeben - da kann man gleich gehen."
Vor dem Erfolg stand "harte Arbeit mit großen Entbehrungen im stillen Kämmerchen". Doch dann war der gebürtige Leobener, der mit zehn Jahren nach Kärnten gekommen war, zur richtigen Zeit am richtigen Ort: "Ich hatte die Möglichkeit, ein Brustkreuz für Diözesanbischof Egon Kapellari zu machen." Schnell wurde Kapsch zum führenden Experten bei der Restaurierung goldener oder vergoldeter kirchlicher Objekte in Gotteshäusern, Museen und Pfarren.
Den Vatikan eroberte er durch die Bekanntschaft mit einem Schweizer Gardisten, aus der Freundschaft wurde. Für die Garde machte er Manschettenknöpfe, Ringe und Gürtelschließen, die gut ankamen und zu Folgeaufträgen führten. Sogar Papst Benedikt XVI. kann, so er will, mit einem Kapsch-Rosenkranz beten.
Heute denkt der Mann, der als Bub kein Spielzeugauto, keine Uhr, kein Radio unaufgeschraubt ließ, an die Pension. Ein Teil seines Herzens gehört den Gottscheern, von denen Kapschs Vater abstammt. Kapsch und seine fünf älteren Geschwister wurden streng katholisch erzogen, was ein Segen war, "denn so weiß ich, wofür und wie die sakralen Geräte eingesetzt werden". Doch er ist tolerant, restauriert auch religiöse Objekte von Protestanten, Juden und Moslems.
Der Goldschmied, in dem sich Kunst und Handwerk untrennbar mischen, wird also kürzertreten in seiner aufregenden Wohnung, die halb Werkstatt, halb Museum ist. "Für deinen Hungerleiderberuf haben wir kein Interesse", scherzten Kapschs drei Kinder durchaus ernst gemeint, weshalb es keinen Nachfolger aus der Familie gibt. Doch mit Galgenhumor kommt man auch darüber hinweg: "Den Beruf wollen sie nicht machen, aber Schmuck tragen schon."
Und er selbst, der sich doch jeden Wunsch erfüllen könnte? "Nach der Arbeit will ich keinen Schmuck mehr sehen."









-Anzeigen