Bezirks- und Gemeindesuche
Sie machen Kärnten bunt und weltoffen
Karlheinz Fessl und Christian Brandstätter holen für das Buch "Colours of Carinthia" 50 Migranten vor den Vorhang. Präsentation heute.

Foto © WeichselbraunGingen mit Begeisterung "fremd": Christian Brandstätter (links) und Karlheinz Fessl
Sie bringen viele Farben ins Kärntner Leben: Der Fotograf Karlheinz Fessl und der Bankmanager Christian Brandstätter holen für das fotografisch-literarische Projekt "Colours of Carinthia" 50 Migranten-Schicksale vor den Vorhang.
20 dieser Schicksale haben wir in den letzten Wochen auf den Kulturseiten sowie Online vorgestellt - weitere sieben wollen wir heute noch nachreichen. So erzählt etwa Sunday von den Schwierigkeiten, einen Wifi-Kurs in Sachen Buchhaltung zu bestehen. Irena, tschechische Leistungssportlerin, hat in Österreich Betriebswirtschaft studiert. Und der britische Weltenbürger Christopher zahlt seit 1984 seine Steuern im Land.
Auf den Kulturseiten (S. 73) finden Sie heute außerdem noch Nur, der vor dem Krieg aus Somalia nach Kärnten flüchtete. Sein Bild ziert auch das Cover des Bildbandes "Colours of Carinthia" (Wieser-Verlag, 39.90 Euro), der heute im Rahmen einer Ausstellung in der Villacher Galerie Freihausgasse präsentiert wird (Beginn 19 Uhr). Das Vorwort zum Buch steuerte die Autorin Eva Menasse bei, weitere Texte kommen von Eva Rossmann, Peter Handke und Peter Turrini.
Die Leistungsschwimmerin als Betriebswirtin
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Irena aus TschechienFoto © christianbrandstaetter.com
Die Leistungsschwimmerin hat 1989 ein Touristenvisum für Österreich bekommen. Gemeinsam mit ihrem damaligen Freund hat sie beschlossen, nach Australien auszuwandern: "Wir haben uns in Traiskirchen gemeldet. Es war schrecklich. Wir wurden getrennt und ich fand mich plötzlich in einem Zimmer mit 50 Leuten wieder." Weil die ganzen Prozeduren so kompliziert waren, haben sie sich dann entschlossen, "doch nicht nach Australien auszuwandern. (. . .) Inzwischen habe ich Betriebswirtschaftslehre studiert und arbeite schon viele Jahre."
Mit Kärntnerliedern durch den afrikanischen Busch
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Erika aus SüdafrikaFoto © karlheinzfessl.com
"Geboren und aufgewachsen bin ich in Johannesburg, Südafrika. Meine Mutter ist jedoch Deutsche und mein Vater Kärntner. (. . .) Meine zwei Schwestern und ich liefen oft mit Dirndl oder Lederhose durch den afrikanischen Busch und sangen dabei Kärntnerlieder - dreistimmig, natürlich! Mit 21 verließ ich mein geliebtes Südafrika, um in Klagenfurt mein Studium zu beginnen, und dort verliebte ich mich in meine neue "alte" Heimat. Die Berge, die Seen, die Kultur, die herzlichen Menschen und die Kärntner Kasnudln. Es stimmt schon: Kärnten ist lei ans!"
Vom Fußabstreifer und der Nähe zum Meer
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Christopher aus GroßbritannienFoto © karlheinzfessl.com
Christopher wurde auf Curacao geboren und ist in Holland, Venezuela und England aufgewachsen. Dort lernte er Kraftfahrzeugmechaniker. 1984 kam er nach Österreich: "Seither arbeite ich hier und zahle meine Steuern. (. . .) Richtige, typische Kärntner kenne ich nicht. Die österreichische Bürokratie geht mir auf den Wecker. Ich fühle mich als Fußabstreifer für die, die mich nicht brauchen. Was mich nervt, sind aber auch die Ausländer, die in ein Land kommen und sich nicht integrieren. (. . .) Was mir an Kärnten gefällt, ist (. . .) die Nähe zum Meer, wo ich auch ein Boot liegen habe."
Sie genießt den langsamen "Flow" des Lebens
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Loreta aus LitauerFoto © karlheinzfessl.com
"Seit 20 Jahren lebe ich in Österreich. Es war schwierig am Anfang. Mein Kind war sechs Monate und ich habe begonnen, Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Die Österreicher aber denken: Eine Frau gehört in die Küche. (. . .) Was hier, in dieser schnelllebigen Zeit angenehm ist, ist der langsame "Flow" des Lebens. Auch die Lebensqualität, die kulinarischen Köstlichkeiten und das Lebensgefühl mit einem gewissen mediterranen Touch gefallen mir. Die Politisierung des Landes gefällt mir nicht. Verbessert gehören hier das Kunst- und das intellektuelle Leben."
Der Traum von der Einigkeit aller Menschen
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Manotcher aus dem IranFoto © christianbrandstaetter.com
"Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn die Einigkeit nicht fest begründet ist. Wir müssen zuerst einig werden. Die Erde ist nur ein Land und alle Menschen sind seine Bürger. /Früher haben die Menschen gesagt: Deutschland und Frankreich werden sich nie einig werden. Jetzt haben wir schon viel erreicht in Europa. (. . .) Jetzt denkt jeder: Die Türkei kann nicht in Europa aufgenommen werden./Ich weiß, was Einigkeit ist: Ich bin Bahai. Das ist die Religion, die das Judentum, das Christentum und den Islam verbindet."
Bankbeamter, Student und Zeitungszusteller
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Sunday aus NigeriaFoto © karlheinzfessl.com
Sunday ist in Lagos aufgewachsen, einer 20-Millionen-Einwohner-Stadt: "Ich habe auch in einer Bank gearbeitet. Am Schalter. Als mir die Bank zu langweilig wurde, begann ich zu studieren. An der Universität war das blanke Chaos. (. . .) Und Verbrecherbanden machten mir das Leben schwer. Hier in Kärnten arbeite ich jetzt als Zeitungszusteller und mache Gelegenheitsjobs. Vom WIFI-Kurs habe ich von sieben Modulen nur vier geschafft. Die Kalkulation funktioniert gleich, aber das Buchhalter-Deutsch ist sehr schwierig. Ich möchte etwas mit Solarenergie machen."



















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