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Zuletzt aktualisiert: 30.01.2012 um 13:49 Uhr

Keine Heimat in der Heimat

Ein Ägypter lebt seit 21 Jahren in Graz, hat zwei Kinder, ist seit zehn Jahren verheiratet. Doch weil er zu wenig verdient, darf er kein Österreicher sein.

Mohie und Heidelinde El-Taib hoffen jetzt noch auf den Landeshauptmann

Foto © Marija KanizajMohie und Heidelinde El-Taib hoffen jetzt noch auf den Landeshauptmann

Mohie El-Taib (51) lebt ein Leben wie viele andere Österreicher auch. Er ist seit zehn Jahren verheiratet, zieht mit seiner Frau Heidelinde (53) die Kinder (10 und 14 Jahre alt) aus erster Ehe groß, arbeitet als Taxifahrer, zahlt Steuern, wohnt in einem Mietshaus. Doch um Österreicher zu werden, langt es nicht. Exakt 5818,31 Euro hat er laut Bescheid in den vergangenen drei Jahren zu wenig verdient.

Er ist ratlos: "Der Staat fragt nicht, wie ich bisher ohne dieses Geld gelebt habe. Ich bekam als Ausländer das Sorgerecht, habe nie Arbeitslosengeld kassiert, fahre auf Urlaub mit der Familie, sorge für sie, aber für einen Pass ist es zu wenig? Ich lebe seit 21 Jahren hier - ich verstehe es nicht."

Groß geholfen wurde der in Raach lebenden Familie offenbar nie. "Ich bin in den letzten 38 Jahren nie stempeln gegangen", erzählt Heidelinde El-Taib, "und weil es nicht unsere gemeinsamen Kinder sind, haben wir auch viele Vergünstigungen nicht erhalten." Das scheint sich nicht zu ändern.

Pass benötigt

Mohie El-Taib schildert seinen Ärger. "Ich bin Taxifahrer, jetzt könnte ich endlich einen gut bezahlten Job als Fernfahrer bekommen. Dazu brauche ich aber den Pass." Und: "5800 Euro, das ist viel weniger, als ich in den letzten Jahren für Dokumente und Gutachten über meine Deutschkenntnisse ausgegeben habe, um überhaupt für die Staatsbürgerschaft ansuchen zu können."

Das Problem ist dem zuständigen Amt bewusst. Referatsleiterin Ingrid Koiner ist aber der Gesetzesvorlage verpflichtet. "In 97 Fällen musste 2011 ein ablehnender Bescheid erlassen werden, da die Einbürgerungsvoraussetzungen nicht erfüllt waren." Jetzt geht Mohie El-Taib aufs Ganze, legt alle Hoffnung in einen Brief an den Landeshauptmann. "Das ist wohl unsere letzte Hoffnung."

ROBERT PREIS

Fakten

10 Jahre Aufenthalt und Eheschließung mit einem österreichischen Staatsbürger waren die häufigsten Einbürgerungsgründe. Die meisten kamen aus Bosnien, Kroatien und Kosovo. 399 Personen haben 2011 in der Steiermark die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. 62 davon wurden hier geboren. 97 Menschen wurde ein ablehnender Bescheid ausgestellt, da die Einbürgerungsvoraussetzungen nicht erfüllt waren. Meist handelte es sich dabei um zu geringes Einkommen.

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