Geht der Design-City die Luft aus?
6,5 Millionen Euro Steuergeld stecken in der City-of-Design- Trägergesellschaft. Die EU gewährt vom erhofften 2,5-Millionen-Anteil keinen Cent. Knapp ein Jahr nach der Titelverleihung wird am Projekt Kritik und der Ruf nach mehr Kontrolle laut.

Foto © Sabine HoffmannMit "kreativer Protestnote" nahmen manche Grazer den Titel City of Design 2011 in Empfang
Straßenkonzerte, Politiker in "City of Design"-T-Shirts und die Kommandoausgabe per Transparent vor dem Rathaus: "City of Design zu sein, heißt, dass Design in der städtischen Agenda ganz oben steht." Die Tage voriges Frühjahr, da Graz zu neuen Titelehren gekommen ist, waren vielsagend. Viel versprochen hat man schon vorher: Aufbruchstimmung! Es wird Design sein!
Wochen vor dem ersten Geburtstag der Design-City Graz bröckelt es nicht nur an der Fassade der von Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann (ÖVP) initiierten Designer-Kaderschmiede Beta-Lab (wir berichteten), auch bei der Trägergesellschaft des Leitprojekts City of Design, der Creative Industries Styria (CIS), tut sich eine Baustelle auf: Die EU streicht der von Buchmann und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes (SFG) gezündeten Trägerrakete CIS erhoffte Fördermittel.
Laut EU nicht förderungswürdig
Von 2008 bis inklusive 2012 steckte das Land fünf Millionen Euro in die CIS, 2,5 Millionen davon wollte man als EU-Förderung lukrieren. Doch nach einer Projektprüfung winkt Brüssel ab: Das Netzwerkprojekt für die heimische Kreativwirtschaft sei nicht förderungswürdig. "Die Mittel können wir für dieses Projekt abschreiben", meint SFG-Chef Burghard Kaltenbeck.
Mit den 1,5 Millionen Euro, die die Stadt in die City of Design gesteckt hat, blättern die Steuerzahler für die CIS 6,5 Millionen Euro hin. Und so gut CIS-Chef Eberhard Schrempf in der Bewerbungsphase medialen Wind erzeugt hat, so schwer tut er sich jetzt, den Titel mit Leben zu erfüllen. Auch weil die Eroberung des öffentlichen Raums nicht gelungen ist.
Die grünen Sitzlettern sind von den Grazern verschleppt und von der Stadt aus Sicherheitsgründen entfernt worden. Das Fashion-Lab für junge Modeschöpfer ist schon wieder Geschichte. Die Netzwerkarbeit in der Kreativbranche und die Auslandsreisen der Creative-Industries-Truppe sowie von Politikern von Istanbul über Shanghai bis Seoul nimmt man daheim nicht wahr. Vielleicht kämen die bei den Grazern aber auch gar nicht so gut an. Die tragfähigen Säulen für die Idee: die Fachhochschule Joanneum mit ihren Designlehrgängen und die steirische Kreativwirtschaft mit fast 18.000 Beschäftigten.
Mittel aufstocken
Dass Design in der städtischen Agenda noch nicht ganz oben steht, weiß Schrempf jetzt: "Ich habe versucht, der Politik klarzumachen, dass wir mehr Geld und Finanzierungssicherheit brauchen, wenn die City of Design Fahrt aufnehmen soll."
Die Botschaft ist bei ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl angekommen: "Ja, wir müssen die Mittel jetzt aufstocken." Was der Rathaus-Opposition ein Dorn im Auge sein dürfte. SP-Gemeinderätin Susanne Bauer misstraut dem Projekt: "Weder hat die CIS einen Aufsichtsrat für eine strenge Kontrolle, noch haben wir bisher eine Evaluierung gesehen, was der Titel bringt."
Buchmann, Motor hinter der Titelbewerbung, entlässt das Kind in die Obhut des Rathauses: "Ich wünsche mir, dass die Stadt aus dem Titel nun etwas macht." Immerhin punkte die City of Design schon international. Die CIS stehe aber ja auch für andere Projekte, setze die Erlebniswelt Wirtschaft um, die Unternehmen zu "gläsernen Fabriken" für interessierte Besucher mache, und stärke die Kreativbranche. "Bis Netzwerk-Projekte messbare Erfolge zeigen, braucht es sieben Jahre", sekundiert SFG-Chef Kaltenbeck. Vom Land wird es weiter Geld geben.
Für die City of Design sei 2012 aber ein Schlüsseljahr, in dem sie sichtbarer werden müsse. Und die Politik wird beim Kreativ-Trupp die Zügel heuer fester in die Hand nehmen: Denn Buchmann wird bei der CIS nun doch einen Aufsichtsrat installieren.
Features
Designmonat
Seit 2009 bündelt die CIS bestehende Initiativen und Feste der Grazer Kreativszene, verstärkt und ergänzt sie und präsentiert sie immer im Mai.
Designzimmer
Die CIS unterstützt das Parkhotel und das Erzherzog Johann bei der Einrichtung von Designer-Zimmern.
Designforum
Der Raum im Grazer Kunsthaus bietet Designern und Kreativen eine Präsentations- und Ausstellungsfläche.











