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Zuletzt aktualisiert: 03.10.2011 um 14:05 UhrKommentare

Bäcker Martin Auer, der VI., im Interview

Nach seinem Abgang aus der väterlichen Bäckerei 2006 gab es Verkaufsgerüchte um "Martin Auer". Jetzt hat Martin Auer Sohn das Unternehmen übernommen. Ein Gespräch über seine Allergie gegen und die Liebe zum Roggen.

Martin Auer biss für G7 in der Backstube am Dietrichsteinplatz beherzt in einen Laib - wie schon als Kind (siehe rechts)

Foto © KanizajMartin Auer biss für G7 in der Backstube am Dietrichsteinplatz beherzt in einen Laib - wie schon als Kind (siehe rechts)

Herr Auer, verzeihen Sie, wenn wir mit der Tür ins Haus fallen. Aber stimmt es, dass Sie an einer Mehlallergie leiden?

MARTIN AUER: Ja, schon seit meiner Kindheit, genau genommen ist es eine Roggenallergie.

Ein Bäckereiunternehmer, der sein Brot nicht essen kann?

AUER: Nein, beim Verzehr ist das kein Problem, das Roggenmehl reizt meine Schleimhäute. Offensichtlich ist aber meine Liebe zum Brot stärker als mein Immunsystem (schmunzelt).

Sie haben heuer nun doch die Geschäfte der Bäckerei Martin Auer übernommen, aber 2006 hatten Sie das Unternehmen verlassen, warum eigentlich?

AUER: Ich wollte einfach etwas Anderes machen, war mir nicht klar darüber, ob ich die Firma übernehmen will. Ich habe dann an der Wirtschaftsuniversität in Wien einen Master gemacht und mit meiner Frau Barbara in Graz die Fusio-Cafés eröffnet. Außerdem habe ich in dieser Zeit in Belgrad ein Unternehmen gegründet. Ein Studienkollege, der nach Belgrad gegangen war, hatte mich darauf angesprochen, dass er und andere Auslandsösterreicher in Belgrad das Schwarzbrot vermissen. Gemeinsam haben wir die Bäckerei Roggenart gegründet, heute haben wir sieben Filialen. Auch die Serben sind inzwischen auf den Geschmack gekommen.

2006, die Kleine Zeitung hat darüber berichtet, machte das Gerücht die Runde, Ihr Vater Martin Auer würde an die Wiener Großbäckerei "Der Mann" verkaufen.

AUER: Ja, nach meinem Ausstieg und da nicht sicher war, ob ich das Geschäft übernehme, hat er sich natürlich Gedanken gemacht, wie es weitergeht.

Aber jetzt stecken Sie Ihre ganze Kraft in die Weiterführung des Familienunternehmens?

AUER: Als sich abzeichnete, dass ich ins Unternehmen zurückkehre, habe ich die Fusio-Cafés verkauft, um mich ganz auf die Bäckerei zu konzentrieren. Ich habe auch meinen Meister als Bäcker gemacht. Mir war es einfach wichtig, dass ich das von Grund auf lerne. Wegen meiner Allergie habe ich übrigens in der Backstube immer eine Maske getragen.

Auer trägt die Jahreszahl 1688 in seinem Logo. Was hat es mit diesem Jahr auf sich und wie lange ist Auer wirklich in Familienbesitz?

AUER: Seit 1688 gibt es am Standort unserer Zentrale auf dem Dietrichsteinplatz ununterbrochen eine Bäckerei. Martin Auer heißt sie aber erst, seit mein Großvater, der Bäcker in Marburg war, nach dem Krieg aus Slowenien nach Graz kam und diese Bäckerei kaufte. Das Haus scheint aber bereits 1342 schon als Bäckereistandort auf.

Und Sie heißen Martin Auer in dritter Generation?

AUER: Nein. Es hat bereits sechs Martin Auer in ununterbrochener Reihenfolge gegeben. Ich bin also Martin Auer, der VI.

Und Sie haben bereits Martin den Siebten in Ihrer Familie?

AUER: Nein, meine Söhne heißen Tim, Severin und Theo. Und ich bin hin- und hergerissen zwischen dem Unternehmen und dem Versuch, möglichst viel Zeit mit der Familie zu verbringen.

Aber Sie wünschen sich, dass einer Ihrer Söhne die Bäckerei weiterführt?

AUER: Nein, es soll ja keine Hypothek, keine Belastung für sie werden. Ich will, dass ihnen alle Möglichkeiten offen stehen. Sie sollen sich aus freien Stücken, ohne Druck entscheiden können. So wie es mir mein Vater ermöglicht hat.

Ihr Vater und sein direkter Konkurrent Hubert Auer standen im Ruf, sich nicht leiden zu können. Wie war das nun wirklich?

AUER: Hubert Auers Vater war der Bruder meines Großvaters. Beide sind damals nach Graz gekommen und haben eine Bäckerei gekauft. Wenn dann zwei Cousins in der zweiten Generation in der selben Branche erfolgreich sind, heißt es schnell, dass die im Streit liegen. Aber es war ein Wettbewerb. Und beide Auers haben mit ihrem ehrgeizigen Unternehmertum entscheidend dazu beigetragen, dass Graz in Österreich den Ruf der Brothauptstadt hat. Vielleicht ist aber die Gelegenheit verabsäumt worden, die Unternehmen zusammenzuführen.

In den letzten Jahren machte das Bäckersterben Schlagzeilen. Was ist da dran?

AUER: Die Zahlen sprechen für sich. Vor 20 Jahren gab es 3000, heute gibt es nur noch rund 1600 Bäcker in Österreich.

Kommt man unter die Räder der Supermarktketten, die ja selbst backen, aber auch Brot der bekannten Bäcker im Sortiment haben?

AUER: Das spielt sicher mit. Deshalb haben wir nur einen Bruchteil unseres Brotes in Supermärkten. Wir setzen auf unsere Filialen. Und wir arbeiten immer daran, etwas Besonderes zu bieten, höchste Qualität, damit die Kunden zu uns kommen.

Hat Martin Auer die kritische Größe, um zu überleben? Sind die Kleinen chancenlos?

AUER: Ein Kleiner kann absolut noch leben. Die mittelgroßen, so wie wir, tun sich da schwerer. Wir können uns nicht mehr so spezialisieren. Ab einer gewissen Größe muss man einfach sehr vielen Kundenansprüchen genügen.

Ein Blick auf Ihre größten Konkurrenten in Graz, Sorger und Hubert Auer, zeigt, dass diese den Weg des Bäckerei-Cafés gehen. Ist das die Antwort für die Zukunft?

AUER: Sorger hat diese Strategie ja schon immer verfolgt, Hubert Auer ist diesen Weg nach dem Verkauf auch gegangen. Aber für uns bedeutet das nicht, dass wir einfach in allen Filialen Kaffee ausschenken. Wir haben 2010 als Pilotprojekt in der Heinrichstraße ein Café aufgesperrt, das sehr gut angenommen wird, und eröffnen jetzt im Oktober ein zweites in der Körösistraße im Geidorf-Center. Ja, Kaffeehäuser auf höchstem Niveau werden in unserer Strategie eine weitere Säule sein.

Sie sind mit 34 Filialen wohl der größte Bäcker des Landes, werden Sie hier noch expandieren?

AUER: Nein, wir werden es bei den 30 Filialen in Graz belassen, aber an der Qualität der einzelnen Standorte weiter arbeiten. Und ich weiß nicht, ob wir wirklich der größte Bäcker in der Steiermark sind. Aber das ist auch nichts, worauf ich besonders stolz wäre.

BERND HECKE

Auf Augenhöhe

Martin Auer (40) studierte Betriebswirtschaftslehre in Wien und machte in der väterlichen Firma Bäckerlehre und den Meister. Er ist verheiratet mit Barbara, gemeinsam haben sie die Söhne Tim (8), Severin (7) und Theo (3). Heuer übernahm er die Bäckerei "Martin Auer" von seinem Vater.

Foto

Foto © Privat

Bild vergrößernDie Liebe zum Brot bekam Martin Auer schon in die Wiege gelegtFoto © Privat

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