Osterfestival "Psalm": Vom Rand des Kontinents
Auf die Suche nach schamanischen Spuren im christlichen Europa begibt sich das heuer zum zehnten Mal stattfindende Osterfestival "Psalm".

Foto © PSALMMutter und Tochter: Raushan Orazbaeva und Tokzhan Karatai spielen den kasachischen Kobyz
"Ich würde mir sofort ein Abo kaufen", zeigt sich Mathis Huber begeistert vom Inhalt des heurigen "Psalm"-Festivals. Die 48 Euro kann er sich aber sparen, weil er das unter dem Motto "Jenseits vom Zaun" stehende Programm selbst zusammengestellt hat und deshalb dienstlich zu den sechs Konzerten des Grazer Osterfestivals in die "ganz zärtlich" adaptierte Helmut-List-Halle pilgern wird.
Dort erwartet die Besucher des zehnten "Psalm"-Festivals eine tönende Suche nach dem "schamanischen Urgrund Europas, der sich unter der Decke der christlichen Gesellschaft" erhalten hat. Dazu begibt sich der "Psalm" an die Ränder Europas, reist nach Lappland, Kasachstan und Süditalien und bringt die dort aufgespürten Reste archaischer Kulte und Riten in Verbindung mit ähnlichen Phänomenen in Mitteleuropa.
So kombiniert der Auftakt am 1. April das Joiken genannte kultische Obertonsingen des im Norden Skandinaviens lebenden Nomadenvolks der Sami mit dem alpenländischen Jodeln, "um das Archaische im Jodler zu hinterfragen, der mehr wert ist, als die Tourismusindustrie glaubt".
Wer spielt?
Andrew Lawrence-King und sein um drei Sänger erweitertes Harp Consort durchstreifen den Zauberwald Britanniens, um Theatermusik der Shakespeare-Zeit mit britischer Volksmusik zu konfrontieren. Igor Strawinskys Bearbeitung seines Balletts "Le Sacre du Printemps" ("Das Frühlingsopfer") für Klavier zu vier Händen steht im Mittelpunkt des Grazer Debüts des Klavierduos Andreas Grau und Götz Schumacher. Schamanische Musik aus Kasachstan für das heilige Streichinstrument Kobyz, gespielt von Raushan Orazbaeva und ihrer Tochter Tokzhan Karatai, erklingt neben den von Riccardo Minasi und Lorenz Duftschmid interpretierten Rosenkranzsonaten des Barockmeisters Heinrich Ignaz Franz Biber.
Sardische Volksgesänge zum Karfreitag stoßen auf die artifiziellen Responsorien Carlo Gesualdos und zum Finale widmet sich das Ensemble Accordone der Fröhlichkeit der Tarantella.









