Alle Akademiker sollen "nachzahlen"
Neue Details zum Akademiker-Zwanziger: Jeder mit Universitätsabschluss soll Beitrag leisten. Kärntner Idee stößt auf geteiltes Echo. Inzwischen verzichtet die Uni Klagenfurt auf Gebühren.

Foto © KKErst studieren, dann kassieren - im Falle von Peter Kaisers Akademiker-Zwanziger soll es der Staat sein, der kassiert
Das ist das Absurdeste, das ich je gehört habe." Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl lässt keine Zweifel offen, was er von der Idee einer nachträglichen Steuer für Akademiker hält. Von Studiengebühren will er auch nichts hören.
Davon lässt sich der Erfinder des Akademiker-Zwanzigers, der Kärntner SPÖ-Chef Peter Kaiser, nicht beirren. Gestern präsentierte er die Details zu seinem Modellvorschlag. So sollen alle Akademiker, die ihr Studium in Österreich absolviert haben und mehr als 40.000 Euro brutto im Jahr verdienen, nachträglich zahlen - zwanzig Euro pro Monat lautet der Vorschlag. Eingehoben soll die Abgabe über bestehende Steuersysteme werden, womit "nahezu kein zusätzlicher Verwaltungsaufwand" entstehen würde. Studenten, die zwischen 2000 und 2005 bereits Studiengebühren bezahlt haben, wären vom Akademiker-Zwanziger befreit. Zahlen hingegen sollen Auslandsösterreicher: "Wer nach dem Studium das Land verlässt und keine Einkommenssteuer zahlt, kann mittels privatrechtlicher Vereinbarung zu Studienbeginn zum Beitrag verpflichtet werden", so Kaiser. Ähnliches stellt er sich für EU- und Nicht-EU-Bürger vor.
Kaisers Vorstellungen finden in der Bundespartei Anklang. Staatssekretär Josef Ostermayer war der Erste, der sich bei der Kärntner Landespartei gemeldet und um Details zum Akademiker-Zwanziger gebeten hat. Auch die SPÖ-Bildungssprecherin Andrea Kuntzl hat sich die ausgearbeiteten Informationen nach Wien schicken lassen. Sogar Bundeskanzler Werner Faymann soll den Kärntner Plan mit Wohlwollen aufgenommen haben.
Mehr Widerstand kommt dem Akademiker-Zwanziger von den aktuellen Studenten entgegen. Die Vorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), die Kärntnerin Janine Wulz, will lieber alle Steuerzahler zur Kasse bitten: "Prinzipiell wäre eine Akademiker-Steuer sicher sozial verträglicher als Studiengebühren. Aber gleichzeitig ist es absurd, wenn nur die Akademiker für das Bildungssystem zusätzlich zahlen müssten. Von Bildung profitieren ja alle."
Die Universität Klagenfurt geht in der Diskussion übrigens den umgekehrten Weg: Zumindest im kommenden Sommersemester hebt sie generell keine Studiengebühren ein, weil der Verfassungsgerichtshof das Gesetz dafür gekippt hat. Wie es danach weitergeht, bleibt offen.








